Kunst baut Brücken in alle Welt

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Polaroid von Rainer Raczinski

Offenbach - Mit Offenbach verbindet man gemeinhin nicht mediterrane Urlaubsstimmung. Doch dem in Frankfurt lebenden Künstler Rainer Raczinski gelingt es auf meisterhafte Weise, Bezüge zwischen Offenbach und Venedig zu knüpfen. Dazu bedient er sich eines fotografischen Mediums, das bereits tot gesagt ist, den Sofortbildkameras der Firma Polaroid. Von Ulf Sölter

Raczinski stellt sich mit der künstlerischen Verwendung dieser Technik in eine große Tradition. Nicht etwa für spontane Schnappschüsse setzt er seine Kamera ein, sondern für Motive, wie sie jeder von einer Italien-, speziell einer Venedig-Reise mitbringt: Blicke in Straßenschluchten, Ansichten morbider Hausfassaden und Ausblicke auf die Wasserstraßen. Erst beim genaueren Betrachten wird deutlich, dass die Impressionen bei weitem nicht alle südlichen Gefilden entspringen, sondern gemischt sind mit Aufnahmen aus den Straßen und der Umgebung Offenbachs.

Julia Roppels Malerei

Im Zeitalter digitaler Fotografie scheint es gar nicht so abwegig, in Aufnahmen nahezu beliebiger Herkunft italienisches Flair zu zaubern. Da werden am Computer mit ein paar wenigen Klicks die Farben erdig und warm gewandelt, der Ausschnitt möglichst passend gewählt und vielleicht auch noch das eine oder andere die Idylle störende Detail retuschiert. All diese Möglichkeiten bietet aber das Foto einer Polaroidkamera nicht. Das Bild wird als unveränderbares Unikat ausgegeben und ist somit sehr direkt und authentisch.

Über den Müllmann

Die andere Hälfte des diagonal geteilten Ausstellungsraums ist mit Arbeiten (alle Öl auf Leinwand) der ebenfalls in Frankfurt lebenden Künstlerin Julia Roppel bespielt. Anders als bei der direkten Gegenüberstellung unterschiedlicher Orte im Werk Raczinskis finden sich in den meist großformatigen Arbeiten Roppels Anklänge an verschiedene Orte. In dem Bild „Garbageman“ wird über das Motiv eines Müllmanns, der einen Container vor sich herschiebt, auf den Stadtbezirk Brooklyn verwiesen. Auf Offenbach deutet das Motiv eines Verladekrans im Hafen der Stadt, der sich als verbindendes Element der beiden künstlerischen Positionen auch im Werk Raczinskis ausmachen lässt.

Roppels Bilder zeichnen sich durch starke Vertikalbetonung aus. Zumeist gliedern Baumstämme die Leinwände. Davon, dass die Künstlerin im Naturraum Wald Inspiration für ihre Arbeiten fand, zeugen die Pilze, die als Motiv wiederkehren. Einigen Bildern verleiht Roppel eine märchenhafte Stimmung, indem sie in Umrisslinien dargestellte Figuren in die Bildräume platziert. Die Arbeiten mit ihren zum Teil rätselhaften Elementen vermitteln den Eindruck von erträumten Erinnerungen, die sich mal stärker, mal schwächer auf der Leinwand abzeichnen.

„Venedig/Offenbach – Offenbach/Brooklyn“ bis 29. November im Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61. Geöffnet Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr; Mittwoch 14 bis 19 Uhr; Samstag und Sonntag 11 bis 16 Uhr.

Quelle: op-online.de

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