Kunst erobert die Stadt

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Gut 60 000 Eisbecher hätte man mit diesen Plastiklöffeln verzehren können, bei der HfG wird daraus ein Raumobjekt.

Offenbach - Die Hochschule für Gestaltung (HfG) macht sich breit in der Stadt. Nach der letztjährigen Ausdehnung des „Rundgangs“ auf die Ölhalle im Offenbacher Hafengebiet, belegt die junge Kunst nun das Einkaufszentrum KOMM mit Beschlag. Von Carsten Müller

Genauer gesagt: das noch nicht ganz fertiggestellte vierte Geschoss des Gebäudes am Aliceplatz, wo auf 3 500 Quadratmeter Fläche bald ein Fitnessstudio und ein Ärztezentrum beheimatet sein werden.
Für HfG-Präsident Bernd Kracke ist die Expansion nicht nur der schlichten Notwendigkeit geschuldet, weit über 1 000 Arbeiten von gut 600 Studenten unterzubringen, sondern zugleich ein politisches Signal. „Wenn es um die Präsentation von Arbeiten geht, ist die HfG ein räumliches Notstandsgebiet“, wirbt der Präsident für einen baldigen Neubau. Die Pläne für die Ansiedlung der Hochschule im Hafenviertel seien auf gutem Wege, meinte Kracke, eine Einigung über den Bebauungsplan in Sicht.

Der Besuch des von heute bis Sonntag stattfindenden 13. Rundgangs lohnt allein schon wegen des Panoramablicks durch deckenhohe Glasfenster des KOMM-Gebäudes, mehr noch wegen der Präsentation des von Adam Jankowski geleiteten Fachbereichs Visuelle Gestaltung, der hier experimentelle Raumkonzepte, Bühnenbildentwürfe, Performances, Malerei und Fotografie vorstellt.

Leben der Pop-Ikone Christa Päffgen verschrieben

Wobei auch im Hauptgebäude am Isenburger Schloss deutlich wird, dass Fotografie sich mittlerweile zu einem Schwerpunkt des Schaffens an der Kunsthochschule entwickelt hat. Interessante Einblicke vermittelt in dieser Hinsicht die Präsentation in der Schlosskapelle, wo traditionelle Positionen auf großformatige, digital bearbeitete Porträts treffen und ein sehenswerter Guckkasten verblüffende 3D-Effekte vorführt.

Die Bühnenbildklasse von rosalie hat sich unter dem Titel „n _ico_n/factory“ in Performances, Objekten, Kostümen und Modellen dem Leben der Pop-Ikone Christa Päffgen verschrieben, basierend auf dem Text „Nico – Sphinx aus Eis“ von Werner Fritsch.

Hohen Erlebniswert verspricht ein Besuch der Aula, wo Filmprofessorin Rotraud Pape eine Zeltkuppel zur 360-Grad-Projektion errichtet hat. Dort zeigen die Filmstudenten eigene Arbeiten, die sie mangels Verfügbarkeit von geeigneter Projektionstechnik bisher nur am Computer betrachten konnten. Unter der Kuppel fügen sie sich zu einer atemberaubenden Rundum-Ansicht. Zeit sollte man aber mitbringen – und lochfreie Socken: Vor Betreten sind die Schuhe auszuziehen.

Zur Selbstverteidigung geeignete Handtaschen

Das zweite Stockwerk des Hauptgebäudes bespielt der von Peter Eckart geleitete Fachbereich Produktgestaltung mit Designentwürfen und Projektpräsentationen. So haben sich Studenten des zweiten Semesters Gedanken über die Gestaltung von Eimern gemacht. Viertsemester zeigen ihre Vordiplome zum Thema „Kollektiv“, darunter zur Selbstverteidigung geeignete Handtaschen mit dem hübschen Namen „Ouch“.

Ausgewählte Diplomarbeiten wie Klickpedale fürs Fahrrad oder Boote zur Walbeobachtung gehören ebenfalls zur Präsentation wie Designentwürfe, die sich unter dem Titel „Übergang“ mit den Bedürfnissen von Flugreisenden auseinander setzen. Nicht alles davon ist Zukunftsmusik, manches wurde bereits umgesetzt, beispielsweise die Ausstellungsarchitektur für die Offenbacher Grafikdesign-Biennale oder die Berliner Schau „100 beste Plakate“.

In der Ölhalle bietet sich ein ideales Spielfeld für raumgreifende bildhauerische Arbeiten. Wolfgang Luys Schüler zeigen dort Plastiken und Objekte, die mit Material und Form spielen, ob Ornament oder Luftballon, Wandobjekt oder Skulptur. Nicht zuletzt blickt der geneigte Besucher beim Verlassen des großzügigen Gebäudes auf eine Brachfläche, dem für einen HfG-Neubau vorgesehenen Bauplatz – insofern ist dies für Präsident Kracke eine besonders attraktive Perspektive.

Quelle: op-online.de

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