„Blickachsen 7“ in Bad Homburger Parks vereint 22 ausgewählte Künstler aus aller Welt

Kunst ins Grüne komponiert

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Vera Röhms „Echo und Narzissus“ im Kurpark-Weiher.

Christian K. Scheffel, dem seit 30 Jahren in Bad Homburg wirkenden Ausstellungsmacher, gebührt ein Sonderlob. Zusammen mit dem Sculpture Park in Grand Rapids/Michigan ist ihm bei „Blickachsen 7“ wieder ein großer Wurf gelungen. Von R. Gries

Als Gesamtkunstwerk in Kur- und Schlosspark hineinkomponiert, verkörpern die 37 großformatigen Skulpturen 22 ausgewählter Künstler durchgängig allerhöchstes Niveau. Am Schmuckplatz hat sich Jaume Plensas monumentale Stahlskulptur „Nosotros“ (Wir) zwischen kaiserlichen Denkmälern niedergelassen. Plensas Käfig der Gefühle wiederholt sich im Orangeriegarten des Schlosses: „Alchemy“ macht noch nachdenklicher. Tiefgründig geht auch Vera Röhm am Kurpark-Weiher zu Werke. „Echo und Narzissus“ sind ihre Textfragmente aus Ovids Metamorphosen betitelt, als Hartschaum-Installation auf der Wasseroberfläche treibend.

„Blickachsen 7“ bis 4. Oktober in Kur- und Schlosspark Bad Homburg.

In „218.5° Arc x 13“ lässt Bernar Venet ein weiteres Meisterwerk aus Kreisen, Spiralen und Bögen durch den Kurpark schweben. Klassisch modernes Profil zeigen auch Jonathan Borofskys „Human Structures“, hoch aufgetürmte Säulen, an Händen und Füßen verbunden. Die hell aufblinkende Metallfuge basiert auf ausgeklügelten Zahlenmeditationen. David Nashs Stahlfigur „Lightning Strike“ schlägt wie ein Blitz in den Rasen ein, auch seine kunstvoll verkohlte Eichenskulptur „Charred Cross Egg“ trägt eine Handschrift.

Jaume Plensa, „Nosotros“, bemalter Stahl, 2009.

Jüngere Promenierer bleiben gern bei Masayuki Kooridas großräumig vor dem Siamesischen Tempel platzierten „Flower“-Elementen stehen. In ihrer schlichten und ungewöhnlichen Formgebung erinnern die polierten Granitfiguren an Molekülmodelle. Wie ausgewaschener asiatischer Fels wirkt die aus poliertem Edelstahl geformte Plastik Zhan Wangs in der Rotunde des Kaiser-Wilhelm-Bades, vor dem sich nobel bearbeitete Skulpturen der Deutschkanadierin Vanessa Paschakarnis aus rotem Verona- oder grau-weißem Carrara-Marmor paaren, Mediterrane Bezüge stellt Mimmo Paladinos etruskisch wirkendes Bronzepferd „Architettura“ zum südlich wirkenden Innenhof des Landgrafenschlosses her. Dazu sorgen im herrlich aufgeblühten Schlossgarten Laura Fords bettelnder Fuchs und einen Müllkorb durchsuchender Dachs aus Bronze für Kontraste, Tom Otternes’ Bronzemaus vor besiegtem Löwen dagegen für Schmunzeln.

Im Zentralbereich des Kurparks sticht Beverly Peppers über vier Meter hoher „Longo Monolith“ aus rostigem Metall ins Auge, wie ein gebogener Obelisk in den Himmel ragend. Auch Peter Randall-Pages wie vom Baum gefallene Frucht aus Granit („Warts and All“), Hanneke Beaumonts paarige Figurengruppe „Melancholia I“ und Dietrich Klinges wie aus Holz wirkende „Gordian“-Bronzen vereinen künstlerische Aussage mit dem Anspruch der schönen Künste.

Quelle: op-online.de

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