Kunst hält menschliche Spuren fest

Auch in „Die weiße Frau“ hält Möbius Bewegung im Raum fest. 

An der Frontseite der Galerie Artycon am Wilhelmsplatz hängen zwei fenstergroße Leinwände der Leipziger Künstlerin Franziska Möbius. Beide sind mit weißer Acrylfarbe grundiert, darauf scheinen sich blau-graue Halme im Wind zu wiegen. Obwohl bewegt, strahlen die Bilder eine angenehme Ruhe aus.

Die vier kleinen Zeichnungen an der Wand widmen sich dem gleichen Thema, wirken dagegen aber völlig abstrakt – als Inspirationsquelle hätten Fossilien oder Gesteinsformationen dienen können. Auch an die Darstellung von Höhen auf Landkarten fühlt man sich erinnert. Die sparsame Farbigkeit und der Mangel an Form wirken sehr anziehend. Japanische Holzschnitte fallen einem ein. Beim Lesen des Hintergrundmaterials folgt die Überraschung: Der Betrachter erfährt, dass Möbius Leuchtdioden am Körper von Personen befestigte, die sie anschließend im Dunkeln tanzen ließ und mit einer speziellen Blenden- Technik filmte.

Weitere Bilder an der gegenüberliegenden Wand zeigen mit Bleistift gezeichnete Figuren in einer warmtonigen Farbigkeit. Um diesen Effekt zu erzielen, benutzte Möbius selbst hergestellte Aquarellfarben und wenig saugfähiges Papier. Die Offenbacher Galeristin Dorothea Terpitz beschreibt, wie die Künstlerin den schimmernden Eindruck erzeugt: Sie legt Farbe auf und wischt sie wieder weg, und das tut sie solange, bis sie mit dem Verlauf zufrieden ist. Bei den großen Formaten kann sich dieser Prozess manchmal über Monate hinziehen. Dann fotografiert die Künstlerin das Drehen, das Weggehen, das Herankommen von Leuten und zeichnet die Linien mit Grafitstiften nebeneinander ins Bild. Man sieht Menschen mit Armen wie Flügeln oder Beinen wie Fächern. Die Einzelfigur scheint sich dabei zu vervielfältigen. Eine energetische Handlung hinterlässt plötzlich Spuren: Der längst vergangene Vorgang verewigt sich auf diese Weise. TINA OWCZAREK

Franziska Möbius: Zeichnungen und Malerei noch bis 31. April in der Galerie Artycon, Offenbach, Wilhelmsplatz 2. Zu besichtigen nach vorheriger Vereinbarung unter 069/98558351.

Quelle: op-online.de

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