Kunst zum Hören

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Die Courbet-Ausstellung in der Schirn kann man still betrachten, sich von kundigem Personal leiten oder von Hannelore Elsners Stimme verführen lassen.

Frankfurt - Schirn, Caricatura-Museum und Jüdisches Museum bieten zu ihren aktuellen Ausstellungen aufwendig produzierte Audioguides an. Von gesprochenen Zusammenfassungen des Ausstellungskataloges haben sich die Hörführer längst zu Medien mit Zusatznutzen weiterentwickelt. Von Martha Schmidt

Die Texte werden von Museumspädagogen zusammengestellt, von professionellen Sprechern gesprochen und mit Musik hinterlegt. Die Schirn hat zur Courbet-Ausstellung nicht nur einen Sprecher engagiert, sondern gleich eine prominente Schauspielerin: Hannelore Elsner. Und deren Prominenz nutzt das Museum für sein Marketing. Auf der Homepage bewirbt die Schirn die Courbet-Ausstellung groß mit dem Audioguide. Nicht zu Unrecht: Hannelore Elsner spricht wunderbar! Es macht richtig Spaß, durch die Courbet-Ausstellung zu spazieren und sich von ihr die Bilder beschreiben und erläutern zu lassen.

Zu 22 der weit über hundert ausgestellten Bilder gibt Elsner Hintergrundinformationen, zu sechs davon wahlweise eine ausführliche Bildbeschreibung. Zwei zentrale Werke sind mit Musik hinterlegt. „Ursprünglich war das als Angebot für Besucher mit eingeschränkter Sehleistung gedacht“, erklärt Bernadette Seidler von der Schirn-Abteilung Bildung, Vermittlung, Kunstpädagogik, „aber wir glauben, dass dieses Angebot auch für Sehende interessant ist.“ Die drei Euro Mietgebühr lohnen sich durchaus. „Der Audioguide ist auch eine Alternative zu Führungen“, so Seidler. „Das ist ein Medium, das sich immer mehr etabliert.“

Die Schirn hat den Audioguide von der Firma Linon Medien produzieren lassen. Firmengründer Lutz Oldemeier hatte das Potenzial von akustischen Ausstellungsbegleitern schon vor über zehn Jahren entdeckt. Linon Medien beschäftigt ein Dutzend Mitarbeiter in den Bereichen Autorenarbeit, Lektorat, Übersetzung, Regie, Produktion, Technik und Projektmanagement, dazu etliche Freiberufler von einer prominenten Sprecherin wie Hannelore Elsner bis zu Programmierern. Die Hörführer werden jeweils in enger Abstimmung mit den Kuratoren und Pädagogen der Museen umgesetzt.

Auch den Hörführer zur Ausstellung „Else Lasker-Schüler. Die Bilder“ im Jüdischen Museum Frankfurt hat Linon Medien produziert. Gesponsert hat dieses akustische Bonbon die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums e.V. Das Konzept dieses Hörführers ist anders als das zur Courbet-Ausstellung. Zu den ausgestellten Bildern der vor allem als Dichterin bekannten Else Lasker-Schüler werden Auszüge aus ihren literarischen Werken gesprochen. Und zwar von Hannelore Hoger, die den meisten als Fernsehkommissarin „Bella Block“ geläufig ist. Auch Hannelore Hoger hat eine wunderbare Stimme. Am 14. November liest Hannelore Hoger um 15 Uhr „live“ aus Else Lasker-Schülers Prosa-Werk „Der Malik“.

Ganz anders ist der Hörführer zur Ausstellung „Rock'n'Roll Fever“ im Caricatura-Museum. Zu den von Guido Sieber in der Manier von Georg Grosz und Otto Dix gemalten Bildern zur Popgeschichte hat Franz Dobler nicht nur den Katalog geschrieben, sondern auch die passende Musik und Textpassagen für den Audioguide ausgewählt. Text und Musik zu 26 Bildern sind auf MP3-Player aufgespielt.

Die Caricatura-Macher haben das in Eigenregie auf die Beine gestellt. Der Musik-Text-Führer ist gelungen, die schnoddrige Stimme Franz Doblers absolut passend für die Erzählung der Popgeschichte von Soul bis Rock. Auch dieser Audioguide ist ein echter Hörspaß. Aber: Da die Macher das Band vor der Hängung der Bilder produziert haben, stimmt die Reihenfolge nicht. Misslich, zumal auf dem MP3-Player der Sound zum Bild nicht frei gewählt werden kann. So führt der Audioguide nicht durch die Ausstellung, sondern schickt einen auf die Suche nach dem besprochenen Bild.

Quelle: op-online.de

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