In der Ausstellung „Uncanny Valley“ bespielen sieben Künstler ein ehemaliges Ladenlokal in Offenbach

Kunst-Kaleidoskop des Wohnens

Britt Baumann und Marcel Schumacher am Öztürck-Fenster

Offenbach - Es wird noch heftig gewerkelt im Ladenlokal an der Ecke Gustav-Adolf-Straße/Waldstraße. In den einst als Apotheke und Elektrohandlung genutzten Räumen steht aber keine Renovierung an. Von Carsten Müller

Vielmehr stellen sieben Künstler unter dem Motto „Uncanny Valley – Wohnwelten in der Kunst“ in Fotografien, Videoarbeiten und raumspezifischen Installationen Bezüge zwischen Wohnen und Kunst her. Die am Samstag, 13. August, öffnende Ausstellung ist einer der Offenbacher Beiträge zum „Architektursommer Rhein-Main 2011“, kuratiert von Britt Baumann vom Forum Kultur und Sport sowie Marcel Schumacher aus Köln.

Konkrete und gedachte Räume fügen sich in dem „unheimlichen Tal“ zu einem sieben Zimmer umspannenden Kaleidoskop, beginnend beim poesievollen Umgang mit Kindheitserinnerungen in einer multimedialen Installation der Offenbacherinnen Sibel und Anny Öztürck. In der Istanbuler Wohnung der Großtante spielten die Städel-Absolventinnen Hitchcock und malten sich Geschichten aus, die sich hinter den Gardinen der Nachbarn zugetragen haben könnten. Der Blick aus dem Fensterrahmen fällt auf das wandfüllende Foto eines Mädchens, das die Schwestern damals mit der Pocket-Kamera aufgenommen haben.

HfG-Absolvent Jakob Sturm fotografiert „Orte möglichen Wohnens“ als Materialbaukasten für seine temporären Rauminstallationen. Hier öffnet er sein Archiv und projiziert die Fotografien von Behausungen im öffentlichen und privaten Bereich, von möglichen und unmöglichen Behausungen auf eine Wand.

Der israelische Künstler Guy Ben-Ner zieht mit seiner Familie zur Geschäftszeit in Ikea-Möbelhäuser ein und spielt dort Szenen aus Seifenopern nach. „Stealing Beauty“ nennt er die Video-Dokumentation dieser spontanen Ausbrüche scheinbarer Privatheit im Kommerz-Umfeld.

Der Brite Martin Creed hat für seine Installation „Lights going on and off“ schon einen Turner-Preis zuerkannt bekommen. Der Titel seiner reduzierten, unsere Gewohnheiten hinterfragenden Raumbespielung ist Programm. Buchstäblich ausgehöhlt werden Wohnräume vom Bohrroboter der Berliners Florian Neufeldt, der im Keller einen doppelten Boden eingezogen hat und diesen im Verlauf der Ausstellung nach dem Zufallsprinzip perforiert.

Der Niederländer Rob Voerman schließlich hat ein Immobilienbüro eröffnet. Fragmentarische Modelle und vergilbte Aufnahmen von Neubauten sowie zweier Angestellter im Schaufenster erwecken den Eindruck, es handele sich bei „Nieder Immobilien“ um eine reale Firma. Doch hinter den Büro-Kulissen erstreckt sich architektonischer Wildwuchs, ein höhlenartiger Bereich mit einem Stadtmodell, dessen gesichtslose Bauten kristalline Gebilde überwuchern. Charakteristisch für die wuchernde Architektur sind farbige Glasfenster, wie sie sich auch in dem Gewölbe finden, wo Innen und Außen einander auf irritierende Weise überlagern.

‹ „Uncanny Valley – Wohnwelten in der Kunst“ vom 13. August bis 3. September an der Gustav-Adolf-Straße 2, Offenbach. Geöffnet: Montag bis Freitag 12-19, Wochenende 10-19 Uhr

Quelle: op-online.de

Kommentare