Neue kreative Perspektiven eröffnen

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Ausschnitt aus einem Bild Maria Dimitrous’, zu sehen in der Heyne-Fabrik in Offenbach.

Offenbach - Michael Trapp, Geschäftsführer und Teilhaber der „Sattler Kunststoff Werk GmbH“ an Mühlheims „Schanz“ nimmt erstmals offiziell am vom Hessischen Wirtschaftsministerium organisierten Projekt „Kunst privat!“ am 2. und 3. Juni teil. Von Reinhold Gries

Wenn er aber, mitten in seiner großen Kunstbibliothek, über Malerei nach 1960 spricht, hat man einen Experten vor sich. Man sieht das auch an Porträts und Landschaften des 19. Jahrhunderts im Verwaltungstrakt. Trapp dazu: „Ich sammle keine Auftragsarbeiten, auch nicht bei zeitgenössischer Kunst, die im ehemaligen Trafohaus gezeigt wird. Mich interessiert, was Künstlerpersönlichkeiten umtreibt. Das möchte ich der Öffentlichkeit zugänglich machen. “ In meditativen Kunstkammern der einstigen Schalträume bestätigt sich das: In der Mitte eines Raums steht ein zum Würfel geschnittener Lavabrocken Ragna Róbertsdóttirs vor hervorragend gemalter Porträtserie Anton Hennings. Hochkarätig auch ein stilllebenartig wirkendes Farbrelief, eine expressive Baumlandschaft und das Diptychon „Kleines Nachbild“.

Günter de Temple, Kunstsammler in Seligenstadt.

Günter de Temple, Seniorchef des Seligenstädter Kompensatoren-Werkes „Dekomte de Temple Group“ hat sich für seine Kunstleidenschaft aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Dafür knüpft er immer neue Kunst- und Geschäftsbeziehungen, etwa zu einer Manufaktur in Jaffa, die „Terragraphien“ mit Wüstensand druckt. In den letzten Jahren hat er 400 Arbeiten zusammengetragen, darunter Gemälde und Künstlerbücher von Günther Uecker, Hermann Nitsch, Elvira Bach, Corneille und Emil Schumacher. Gemeinsam mit neuer Kunst von Hatty Pedder und Victor Minji will er diese im Klein-Welzheimer Betrieb wie in der Orangerie des Seligenstädter Abteigartens zeigen. Seine Intention lautet: „Ich suche den persönlichen Bezug, nicht die Wertanlage. Kunst, Philosophie und Leben gehen ganzheitlich zusammen, um neue kreative Perspektiven zu eröffnen und die Sicht auf die Dinge zu ändern.“ Dazu präsentiert er das starke Werk seines früh verstorbenen Enkels, des Karlsruher Malers Christoph de Temple, unterstützt von Teilhaberin Christine Wondrak.

Wachsbilder des Lokalmatadors Johannes Kriesche

Einheit von Arbeitsfeld und Kunstpräsentation lebt auch Thomas Kypta in der „etage 3 kommunikation + design GmbH“ in Offenbachs Heyne-Fabrik: „Kunst hat in meiner Tätigkeit einen enormen Stellenwert bekommen“. Dieser schlägt sich in der „Green Art“ seines Büros nieder wie in der großen Ausstellungsetage „Heyne Kunstfabrik“. Seine Bestände zeitgenössischer Kunst reichen von Wachsbildern des Lokalmatadors Johannes Kriesche und bestrickenden Textilreliefs von Katharina Krenkel über Maria Dimitrious Menschenbilder zu Florian Heinkes Caravaggio-Übermalung und Linolschnitten wie Labels von O.W. Himmel. Zur Jungen Kunst Mike MacKeldeys und der Street Art des Graffiti-Künstlers „Monsieur Chat“ passt das Motto an der Wand: „Go your own Way“.

Hohen Stellenwert hat Kunst auch in Offenbachs Berliner Straße in der großräumig agierenden „Knolle-Societät“. Dazu Notar Olaf Meister: „Wir halten Kontakt mit der Städel-Schule und der Offenbacher HfG. Das Spektrum unserer Sammlung ist weit über Deutschland hinausgewachsen.“ Großformate wie „Ceaseless Doodle“ von Günyol/Kunt und die Malcollage von Andora stehen dafür ebenso wie das bemalte Surfbrett Jim Avignons, Florian Borkenhagens Bootsköpfe oder auch Raul Gschreys Videoinstallation: „Wir zeigen Kunst, die sich mit politischen und globalen Problemen beschäftigt, auch mit der Gefahr des Überwachungsstaates.“

Europaweit bis global agiert auch „Evonik Industries AG“ in Hanau-Wolfgang, dirigiert von der Essener Zentrale. Eher dort erreicht man – mit Glück - Kuratorin Birgitta Janke, die an der Rodenbacher Chausee Papierarbeiten zur ersteigerten Sammlung der „Zimmergalerie Franck“ zeigt. Auch Gästebuch-Zeichnungen führen hinein in avantgardistische Nachkriegskunst der Gruppe „Quadriga“ in Frankfurt.

„Kunst privat!“ ist am 2. und 3. Juni bei insgesamt 35 Unternehmen und wirtschaftsnahen Institutionen zu sehen. Anmeldungen zu Besichtigungen sind bis 30. Mai. unter www.kunstprivat.info oder bei den beteiligten Unternehmen möglich.

Quelle: op-online.de

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