Kunst rückt rotierende Gläser ins rechte Licht

Mathias Poledna lässt in seinem Film Gläser rotieren.

Der wandlungsfähige Ausstellungsraum des Portikus auf der Maininsel an der Alten Brücke in Frankfurt dient momentan als Projektionsraum für die filmische Arbeit „Double old fashion“ des in Wien geborenen Künstlers Mathias Poledna. Von Ulf Sölter

Was den Besucher in dem 20-minütigen, tonlosen Beitrag erwartet, ist zunächst gezielte Produktästhetisierung, wie man sie etwa aus der Fernsehwerbung kennt. In einem weiteren Schritt distanziert sich der Künstler von der eigentlichen Betrachtung des Objekts und erhebt die sich aus Detail- und Nahaufnahmen des Gegenstands ergebenden reizvollen Lichtreflexionen zum eigentlichen Thema seiner Arbeit. Den Ausgangspunkt bildet eine von dem Wiener Architekten Adolf Loos (1870-1933) geschaffene Gruppe von Kristallgläsern. Das sogenannte Barset besteht aus zwölf Einzelteilen, darunter finden sich beispielsweise Champagnerflöten, Biergläser, ein Weindekanter und der Whiskybecher „Double Old Fashioned“, der Poledna zum Titel inspirierte.

Die verschiedenen Glasobjekte zeichnen sich durch ihre schlichte und präzise Gestaltung aus, die geometrische Grundform des Zylinders bleibt nahezu ohne weiteres Dekor erhalten. Einzig die Böden der mundgeblasenen und handpolierten Gläser sind mit einem Diamantschliff versehen, einer feinen, rasterartigen Textur.

Mathias Poledna, „Double old fashion“, bis 21. März im Frankfurter Portikus, Alte Brücke 2. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr.

In der ersten Hälfte seines Films präsentiert Po ledna nacheinander einzelne Teile des Barsets. Vor schwarzem Hintergrund erscheinen die gekippten Glasobjekte in der Mitte der Projektionsfläche und drehen sich scheinbar schwerelos um sich selbst. Dabei ergeben sich stets verändernde Lichtreflexionen auf der Oberfläche der Trinkgefäße. Der Zuschauer betrachtet das rotierende Objekt mit Gespanntheit, etwa so wie man das sich zu- und abwendende Licht eines Leuchtturms aus der Ferne beobachtet.

Im zweiten Teil seiner Arbeit löst sich Poledna von der Inszenierung des Einzelobjekts und konzentriert sich allein auf die Wirkung der Lichtbrechungen. Er zoomt so nah an die Gläser heran, dass einzig der prägnante Boden in seinen Nahaufnahmen erkennen lässt, dass nach wie vor die Glasobjekte des Barsets im Fokus seiner Kamera sind. Die verfremdeten Aufnahmen erzeugen geheimnisvolle und nicht zuzuordnende Lichtstimmungen, wie man sie von Fotos eindrucksvoller Polarlichter kennt.

Quelle: op-online.de

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