Plastiken von Loni Kreuder

Streicheleinheiten für die Seele

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Loni Kreuders Bewegungsstudie „Bolero“

Seligenstadt - Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen fremdeln, wenn sie moderner, vor allem abstrahierender Kunst begegnen. Von Reinhold Gries 

Im Regio-Museum des Landkreises Offenbach im Kloster Seligenstadt scheint dies anders zu sein, denn der Andrang zu Loni Kreuders Bronze- und Aluminium-Skulpturen ist groß. Vielleicht liegt es an der Harmonie und Geschlossenheit, die Kreuders fast 70 Groß- und Kleinplastiken eigen ist. Kontrast zu „innerlich zerrissener“ Kunst ist augenfällig.

Die gelernte Werbegrafikerin vom Niederrhein hat sich vor allem mit der bildhauerischen Darstellung des Menschen, seiner Gefühle und seiner Beziehungen beschäftigt. Beeinflusst von Auguste Rodins Körperlichkeit und Henry Moores abstrakten Schwüngen ist Kreuder dabei ihren eigenen Weg gegangen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Das „Panta rei“ - „Alles fließt“ - ist dabei zum Motto ihrer figürlichen Variationen geworden. Selten findet man da harte, schroffe Kanten, fast stromlinienförmig wirken viele Schwünge und Konturen.

Harmonisch, konzentrierte Formung

Doch die harmonische, konzentrierte Formung von Körperlinien und Flächen ist bei Kreuder auch Mittel zum Zweck: Sie will menschlich berühren. Das gelingt ihr mit der Zweiergruppe „Tsunami“, bei der eine Mutter schützend ihr Kind birgt. Das Motiv der Geborgenheit lässt sie oft nicht los bei Vollplastiken und Reliefs. Dazu will die Bildhauerin die Kraft der Gefühle vermitteln, die unser Leben beeinflussen. Und dabei Streicheleinheiten für die Seele verabreichen, zu sehen in Bronzepaaren wie „Verliebt“, „Eros“, „Verzeihen“, „Freunde“ und „Sehnsucht“. Wie derlei Emotionen die Kommunikation prägen, stellt Kreuder gleichnishaft dar in „Gespräch 1-3“, „Begegnung“, „Gerücht“ oder „Neuigkeit“.

Ihrem Postulat „Das Einfache ist das Schöne“ bleibt sie bei kleineren Bronzen treu, die wie modellhafte „bozzetti“ der großen wirken. Einfach ist es freilich nicht, wie Kreuder von Gips- oder Tonmodellen zu Bronzegüssen kommt, ihre handwerkliche Meisterschaft steht da außer Frage. Die braucht man bei so aufwändigen Arbeiten wie „Mediterranée“, „Daphne“ und „Meditation“. Oder bei so spektakulär wirkenden Bewegungsstudien zu tanzenden Menschen wie in „Hommage an Pina Bausch I/II“, „Flamenco“, „Bolero“ oder „Ballet de Paris I/II“. Kreuders großes Bronzerelief „Genesis“, das man sich in einer modernen Kirche vorstellen kann, zeigt, wohin Kreuder oft strebt: zur Transzendierung des Körperlichen über das Geistige. Das spürt man auch bei ihren abstrakten Skulpturen wie „Flügelschläge der Seele“, „Harmonie“ und „Synergie der Elemente“.

„Loni Kreuder - Skulpturen“ bis 11. Mai im Regio-Museum Seligenstadt. Geöffnet: Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr, Dienstag bis Freitag von 10-16 Uhr

Quelle: op-online.de

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