Die Kunst der vielen Schichten

+
Johannes Kriesches Paraffin-Arbeit „Flügel“ aus dem Jahr 1998 zählt zur Reihe „Ankunft der Töne“.

Offenbach - Johannes Kriesche trägt dick auf. Nicht nur bei fotografischen Szenen, die er mit einer massiven Paraffinschicht versieht, sondern auch bei Papierarbeiten, Objekten, Linoldrucken, Acrylmalereien und Gouachen aus der Zeit von 1992 bis heute, die in den weitläufigen Räumen der Heyne-Kunst-Fabrik in der Lilistraße zu sehen sind. Von Carsten Müller

Das Schichten von Farbe und Material fasziniert den in Offenbach lebenden Künstler. Die umfassende Schau mit dem Titel „mittendrin – und manchmal auch darüber“ steht dabei für die Absichten Kriesches, der ihm Wichtiges manchmal effektvoll zu verschleiern, andernorts hervorzuheben versteht. Beispielsweise in den charakteristischen Enkaustik-Arbeiten, die umso konkreter werden, je weiter man sich von ihnen wegbewegt.

Die Motive findet Kriesche in seiner unmittelbaren Umgebung. Er lässt sich von Medien genauso inspirieren wie von persönlichen Eindrücken, etwa einer Radtour am Main, Schwäne und architektonische Details arrangiert er zum grafischen Ensemble. Impressionen des Allessa-Werks in der unmittelbaren Nachbarschaft hält er ebenso fest wie seine Erlebnisse als Taxichauffeur, die sich in kontrastreichen Inszenierungen von Tankstellen spiegeln, die er „Lichttempel“ nennt. Abbildungen kostümierter Gothic-Fans hat er Magazinen entnommen, ins transparente Paraffin Runen eingearbeitet.

„mittendrin – und manchmal auch darüber“ von Johannes Kriesche bis 28. Mai in der Heyne Kunst Fabrik, Offenbach, Lilistraße 83d. Geöffnet: Donnerstag und Freitag von 18 bis 21 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel.: 069/85708414

Kriesche greift in großformatigen Acrylmalereien Symbole der Konsum- und Finanzwelt auf, kombiniert sie mit Zitaten aus der Kunstgeschichte. Von Experimentierfreude künden frühe Papierarbeiten. Auch Installationen wie die auf Stadtplan-Sequenzen rotierenden Läufer und ein auf Beuys’ „Aufruf zur Alternative“ entfesselter Sog der Konsumgüter setzen künstlerische wie biografische Eckpunkte. Linoldrucke aus dieser Zeit sind farbsatt übereinander gelegt. Auch solche Schichten haben es Kriesche angetan.

Quelle: op-online.de

Kommentare