Karin Nedela, Pei Li und Stanislaw Chomicki

Kunst zwischen Mensch und Technik

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Karin Nedelas Serie von Frauenporträts trifft auf Spielzeug-Malerei von Pei Li und Hochhausfotografie Stanislaw Chomickis.

Offenbach - Drei künstlerische Positionen stellt die heute (18 Uhr) öffnende Ausstellung im Salon 13 des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) vor. Stanislaw Chomicki, Werbefotograf mit Meisterprüfung. Von Carsten Müller

Jahrgang 1957, zeigt Architekturfotografie, Karin Nedela, Jahrgang 1955, Absolventin der Hochschule für Gestaltung, eine neue Serie von Frauenporträts zwischen Fotografie und Malerei, die 1976 in China geborene Pei Li gegenständliche Malerei.

Glücklich darf sich der BOK schätzen, dass sich in Stanislaw Chomicki einer der frisch gebackenen Träger des Europäischen Architekturfotografiepreises vorstellt. Der in Polen geborene Chomicki fotografiert moderne Architektur mit einer alten Technik. Die leichte Unschärfe, typisch für die von dem Wiesbadener verwendete Lochkamera, verleiht den Abbildungen von Frankfurter Wolkenkratzern und Hochhaustürmen mit ihren majestätisch empor strebenden Linien fast schon malerische Qualität. Die Szenarien aus Glas, Beton und Stahl sind menschenleer und muten wie abstrakte Kompositionen an.

Einen starken Kontrast zu den technisch geprägten Arbeiten liefern die Arbeiten der im Salon 13 vertretenen Frauen. Karin Nedela macht in ihrer Porträtserie einen Abstecher nach Byzanz, das fast ein Jahrtausend als kulturelles und politisches Zentrum den östlichen Mittelmeerraum dominierte und dann von der Landkarte verschwand. Erhalten geblieben sind Mosaike und Fresken, Ikonen und Büsten, von denen sich das BOK-Mitglied inspirieren ließ.

Ihre mit Blattgold bedeckten, stellenweise von Hand kolorierten Schwarzweiß-Fotografien erzählen die Geschichten von byzantinischen Künstlerinnen, Adeligen und Gelehrten. In nachempfundenen Gewändern und ausgestattet mit Insignien von Macht und Reichtum – üppiges Geschmeide, goldene Kruzifixe, Schriftrollen und Schwerter –, saßen Frauen aus Nedelas Bekanntenkreis Modell. Das aufgezogene Blattgold steht für die Vergänglichkeit von Macht und Reichtum, Gesten und Blicke der Fotografierten korrespondieren mit den Legenden. Ein fesselnder künstlerischer Blick in die Geschichte.

Nostalgische Gefühle wecken die gegenständlichen Ölmalereien der in Frankfurt lebenden Künstlerin Pei Li. Das Blechspielzeug, das die in China und Deutschland ausgebildete Malerin in kräftigen Farben vor grauen Hintergründen in Szene setzt, trägt Gebrauchsspuren, Lack ist abgeplatzt, der Boden rissig. Die Figuren scheinen ein Eigenleben zu führen. Zwei Boxer sehen aus, als ob sie gleich von ihren Podesten springen wollten, ein Reiter auf dem Karussell schert aus der Endlosschleife aus, der den Wagen ziehende Esel blickt gequält. In einem ausrangierten Fernseher hat Pei Li Go-Steine als Figurentheater zum Leben erweckt, in einem plüschigen Guckkasten. Jedes Ding hat seinen Zweck, lautet ihre Maxime. Auch ein Reflex auf den rasanten Wandel in ihrem Geburtsland.

„Türme, Gold und Leinwand“ bis 29. September in der Galerie Salon 13, Kaiserstraße 13, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch von 17 bis 20 Uhr, Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Quelle: op-online.de

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