Kunstgenuss vor Vertragsabschluss

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Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst ist ein Treffpunkt für solvente Nachtschwärmer: 10 000 Euro kostet eine private Abendgesellschaft im Tortenstück des Architekten Hans Hollein.

Erst der Kunstgenuss, dann der Geschäftsabschluss. Das Klirren von Champagnergläsern ist in vielen Museen regelmäßig zu hören – ob bei Tagungen und Empfängen, privaten Feierlichkeiten und Führungen. Dass Museen sich für Veranstaltungen öffnen, ist keine Seltenheit.  Von Veronika Szeherova

Es ist eine attraktive Möglichkeit, den knappen Etat aufzubessern. „Etwa zwei bis drei größere Events finden monatlich bei uns statt“, berichtet Kulturmanagerin Bianca Knall vom Frankfurter Museum für Moderne Kunst. „Allerdings nicht in den Museumsräumen selbst, sondern in abgetrennten Bereichen wie dem Vortragssaal und dem Foyer des Hauses.“ Die Kunst müsse bei den Veranstaltungen im Mittelpunkt stehen, betont sie. Die Kosten für einen Abend liegen zwischen 2500 und 10.000 Euro je nach Aufwand und Umfang. Dafür steht das ganze Haus zur Verfügung – inklusive Catering, Technik und Sicherheitsdienst. Daher bleibe am Ende „gar nicht so viel übrig“. Auf großes Interesse stießen auch private Führungen außerhalb der Öffnungszeiten.

Gleiches gilt für das Städel. „Allein bei der Botticelli-Ausstellung im letzten Jahr gab es mehr als 2000 Sonderführungen“, erzählt Sprecher Axel Braun. Grundsätzlich während der Öffnungszeiten: „Wir wollen nicht wie eine Veranstaltungsgalerie wirken“, so Braun. Das Zusatzgeschäft sei nicht nötig aufgrund starker Partner und Sponsoren. Private Führungen gibt es im Städel ab pauschal 80 Euro plus den ermäßigten Eintrittspreis.

Die Ausstellungsräume sind tabu

Dennoch vermietet das traditionsreiche Haus auch Veranstaltungsräume wie den Metzlersaal, wegen der Umbauarbeiten momentan jedoch nicht. Die Ausstellungsräume sind sowieso tabu: „Darin wird nicht gegessen, getrunken oder gefeiert. In den Räumen geht es nur um Kunst“, sagt Braun. „Wir sind und bleiben ein Museum.“

Gebaut wird auch am Offenbacher Ledermuseum. „Wir haben seit Jahren unseren festen Kundenstamm, dem wir unsere Räume zur Verfügung stellen“, weiß Mitarbeiterin Monika Müller. Das seien unter anderem der Theaterclub Elmar oder der Binodon Bangla e. V, der das bengalische Neujahrsfest ausrichtet. Ansonsten halte sich das Interesse sehr „im Rahmen“. Eine Geburtstagsfeier mit maximal zwölf Kindern kostet 90 Euro. Geburtstagen steht auch das Dreieich-Museum offen, dafür werden laut Internetauftritt zwischen 40 und 130 Euro verlangt.

Offensiver geht das Rosenheim-Museum in Offenbach vor, das sich auf seiner Homepage unter „Events/Location“ als Veranstaltungsort „für Kunstgenießer mit individuellem Anspruch“ anpreist. Die stellvertretende Museumsleiterin Martina Sauerwald reagiert bei unserer Nachfrage zurückhaltend. „Dieses Angebot ist noch ganz neu, bisher gab es keine Resonanz.“ Auch über die Preise möchte sie keine Auskunft geben.

Das Klingspormuseum nutzt seine Nähe zum Standesamt. Sektempfänge in den Ausstellungsräumen kosten zwischen 150 und 200 Euro, je nach Personenzahl. „Ein bis zwei Mal im Monat wird das Angebot genutzt“, berichtet die Mitarbeiterin Elke Rauer. Weitere Vermietungen hält sie grundsätzlich für denkbar, sind aufgrund des kleinen Personalbestands aber nicht leicht umzusetzen. „Zuerst einmal muss das Dach fertig werden, dann sehen wir weiter.“

Quelle: op-online.de

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