„Erster Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst“

Künstler als Zeugen

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Wilhelm Kohlhoff, Urgewalt, 1917, Öl auf Leinwand, Sammlung Gerhard Schneider

Aschaffenburg - Die Kunsthalle Jesuitenkirche führt mit zahlreichen Werken von Künstler-Augenzeugen der Sammlung Gerhard Schneider und Beständen der Stadt Aschaffenburg tief hinein ins menschliche Erleben zum Ersten Weltkrieg, der „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Von Reinhold Gries

Viele der aussagekräftigen Werke sind zum ersten Mal ausgestellt. Für Schneider hatte das Methode. Er spricht über „Verdrängungsmechanismen“, wilhelminische Zensur der „Rinnstein“-Kunst und anschließende NS-Verfemung kritischer als „entartete Kunst“. Zu wahr war, was kriegsbeteiligte Künstler zu Papier brachten, auf Gründe malten oder in Skizzenbücher zeichneten: unfassbares Elend in Schützengräben, allgegenwärtiges Massensterben. Neben Ungeschöntem sieht man auch Verharmlosendes oder kubistisch Stilisiertes. Dazu dokumentiert die aufwändige Ausstellung an Grafiken Ernst Barlachs, Max Pechsteins oder Max Slevogts inneren Wandel von patriotischer Kriegsbegeisterung zur Verzweiflung.

Schneider zeigt mit Kunsthallenleiterin Christiane Ladleif auch Mappenwerke und Bildfolgen wie „Der Bildermann – Steinzeichnungen fürs deutsche Volk“ (1916), „Krieg und Kunst“ (1914-18), „Kriegszeit Künstlerflugblätter“ und „Münchener Kriegsbilderbogen Deutscher Künstler“ (1914/15). Dazu Lithographien aus Willi Jaeckels Serie „Memento 1914/15“ und Josef Eberz’ Suite „Kämpfe“ (1915). Singulär steht das von Fritz Steisslinger im Westfront-Unterstand mit Öl auf Leinwandfragmente Gemalte, das Kampfhandlungen ausspart. Oder Holzschnitte Evarist Adam Webers mit eingeritztem „geschn. i. Felde“. Weber führte im Marschgepäck Täfelchen mit, in die er Schrecken zu durchstandenem „Sturm“ oder überlebtem „Volltreffer“ einkerbte. Heimkehrer Heinrich Stegemann hielt nach seiner Verwundung Erlittenes in Holzschnitten und Lithographien fest, bevor er 1936/37 in großformatigen Lithographien nachlegte, um vor einem Krieg der Nazis zu warnen.

Erstmals präsentiert man Ludwig Meidners Skizzenbücher, entstanden im Gefangenenlager Merzdorf, in dem der Expressionist Militärdienst als Dolmetscher ableistete. Seine Linienkunst spricht ebenso Bände wie Otto Fischer-Trachaus Tusche- und Temperamalerei zum Granatenüberfall, Einschlägen im Wald oder Sterbenden.

„Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst“ bis 11. Januar 2015 in der Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg, Pfaffengasse 26. Geöffnet: Dienstag 14-20 Uhr, Mittwoch-Sonntag 10-17 Uhr

Quelle: op-online.de

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