Vor Kunstschulen wird gewarnt

Frankfurt - Gerd Knebel kommt auf die Bühne, sagt „Hallo!“ – und schon ist ihm der erste Lacher sicher. Seine Komik ist ein Selbstläufer, was nicht heißt, dass sie nicht mit Arbeit verbunden wäre. Von Stefan Michalzik

Das ist nur vermeintlich ein Widerspruch: Knebels Mimik ist eine Naturgabe. Auf diesem Fundament einen Bühnenabend, eine ganze Karriere gar aufzubauen, ist eine andere Sache. Dass hier erst einmal von einem die Rede ist, obschon es beiden „Netten Rabenvätern“ in der Frankfurter Käs um ein Duo geht, ist kein Wunder. Knebels Bühnenpräsenz ist, mag sie noch so unaufdringlich sein, von jener Sorte, neben der jeder andere nicht mehr als der zweite Mann sein kann.

Olaf Mill, der in den Achtziger Jahren gemeinsam mit Knebel das Zentrum von Flatsch! bildete, fügt sich von vornherein in diese Rolle. Mill, den man wie Knebel seit jeher nur als Glatzkopf kennt, ist ein freundlicher Kerl von fülliger Statur. Gelegentlich reißt er einen schlechten Witz. Er ist vorwiegend Musiker und Gesangspartner.

Es geht um Masochisten

Alltagskulturelle Zeiterscheinungen, bisweilen auch Widrigkeiten der Politik: Dergestalt lässt sich da Themenspektrum umreißen. Die ausgedehnten Conferencen sind nicht weniger wichtig als die Songs, deren einzelne auf alte Zeiten bis zu Flatsch! zurück gehen. Es wird vor dem Besuch von Kunstschulen gewarnt, weil Diktatoren künstlerische Ambitionen hegten. An den Dalai Lama ergeht die Frage, warum bloß er beim Fototermin mit Roland Koch gelächelt hat. Es geht um Masochisten, Jäger und Vegetarier, alles mit einem flapsig naiven Humor. Das ist alles mal mehr und oft minder originell. Es ist recht lieb.

Das Arsenal an Instrumenten – vorwiegend akustische Gitarre, für Olaf Mill auch elektrifizierte Mandoline, Ukulele, Violine, Mundharmonika, Trompete und zuletzt ein harsch traktiertes Kinderschlagzeug – lässt darüber nachdenken, was aus beiden wohl geworden wäre, wenn sie sich nicht früh auf den Humor festgelegt hätten. Womöglich würden sie noch heute an Modellen der Rockmusik der Siebziger Jahre festhalten. Dann doch lieber Humor!

Quelle: op-online.de

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