Im ausverkauften Capitol

Kurt Krömer auf die ganz derbe Art

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Kurt Krömer

Offenbach - An etwas, das „Kultstatus“ genießt, scheiden sich erfahrungsgemäß die Geister. Das ist bei Entertainer Kurt Krömer nicht anders. Von Maren Cornils

Während die einen seinen subversiven Humor feiern und seine von exzessiven Schimpftiraden unterbrochenen Moderationen zum Schießen finden, ist der Humor des Berliners für andere unterste Schublade.

Genug Fans hat Krömer allemal: Das Capitol Offenbach ist am Sonntag und Montag komplett ausgebucht. Dabei ist der Altersdurchschnitt bei seiner Abschiedstournee alles andere als repräsentativ, wie eine von Krömer durchgeführte Umfrage im Publikum beweist: Im Zuschauerraum sitzen sowohl Kinder als auch Angehörige der Generation Silver Surfer. „Ick bin ja bei der ARD. Aber wär det hier RTL, da würd’ schon einer kommen. Mit nem Bolzenschussjerät“, witzelt Krömer auf Kosten eines 61-Jährigen, um sich dann ausführlich der Begrüßung von Kristin zu widmen, die er minutenlang abbusselt, um ihr am Ende die Haare zu zerzausen. Ein Procedere, das die Malträtierte mit Unbehagen über sich ergehen lässt. Doch Krömer, das zeigt sich noch mehrere Male an diesem Abend, liebt es nun einmal, Grenzen zu überschreiten, und dazu zählt auch, ungefragt in die Komfortzone seines Publikums einzubrechen und seine Fans wüst zu beschimpfen.

Wer das nicht aushält oder zu zimperlich ist, ist bei Krömer falsch, und so wundern sich die Zuschauer auf der Galerie rechterhand der Bühne auch nur mäßig, als der Entertainer rund um ihre Sitzplätze ein Absperrband spannt, mit der Begründung, hier handele es sich um Sitzplätze, die mit von ihm gebuchten Statisten besetzt seien, weil „200 Karten für die Vorstellung sind die Veranstalter einfach nicht losgeworden“. „Kieckt euch det an. Dafür hab ich jetzt 15 Euro pro Person ausgegeben. 20 Euro, und ich hätte schöne Menschen bekommen“, lästert er hemmungslos.

Dafür überrascht der notorische Grantler mit einer Liebeserklärung an Offenbach, das für ihn „wie Neukölln, nur als Stadt“ ist. Für den großen Nachbarn über den Fluss hat er dagegen wenig Lob übrig. „Ich habe eine Frankfurt-Phobie“, gesteht Krömer, und liefert auch gleich den Grund dazu: „Schuld daran ist Heidi. Die muss ja immer zu dieser fiesen Tante Clara ins schreckliche Frankfurt.“ Nicht das einzige Geständnis. So erfahren die Fans dass Essen und Sex für Krömer ein und dasselbe sind („beides mache ich allein“), dass er auf Türkisch Brot bestellen kann und von Mami selbiges noch geschmiert bekommt.

Gefühlsregungen wie Empathie indes sind Krömer völlig fremd. Ob Ursula von der Leyen, Till Schweiger, Deutsche Bahn oder Post – der Berliner ergeht sich in Häme, ereifert sich über die Freundlichkeitsoffensive der Briefversender und nörgelt über die Unfähigkeit des Bahnpersonals („Wo machen die ihre Stellenausschreibungen? Im Auenland?“) Wer empfindlich ist, sollte um das Phänomen Krömer einen Bogen machen. Alle anderen können sich über den derben Witz des Grimme-Preisträgers königlich amüsieren.

Quelle: op-online.de

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