Kurzweiliger als ein Krimi im Fernsehen

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„Ein Mann, ein Mord“: Vierte Folge der Reihe "Tatort Frankfurt" in der Box des Schauspiels.

Frankfurt (zik) - Man sieht sich gut versorgt für diesen Abend. Es ist fast wie zu Hause beim Fernsehen: Eine Dose Bier steht für jeden Zuschauer auf den Plätzen bereit. „Tatort Frankfurt“, die Reihe mit szenischen Lesungen der Kayankaya-Krimis des Frankfurter Schriftstellers Jakob Arjouni in der Box des Schauspiels, ist auf eine unbeschwerte Unterhaltung hin angelegt.

In ,,Ein Mann, ein Mord", der von der jungen Hausregisseurin Bettina Bruinier angerichteten vierten Folge, recherchiert der deutsch-türkische Detektiv, wie von seinem Schöpfer bevorzugt, im Milieu des Bahnhofsviertels. Eine von einem Mann just aus der Prostitution freigekaufte Thailänderin ist abhanden gekommen. Natürlich braucht der vor Eingang dieses Auftrags völlig abgebrannte Kayankaya viel Spürsinn und manchmal auch Härte um die verwinkelte Geschichte aufzuklären.

Arjouni jongliert geschickt mit den Stilmitteln des klassischen amerikanischen Kriminalromans. Bei aller sozialkritischen Tendenz parodiert er gleichzeitig das Genre. Von dieser Warte her betrachtet kann der Abend einen Anspruch der Werktreue für sich reklamieren.

Die Schauspieler Henrike Johanna Jörissen und Christian Bo Salle karikieren im fliegenden Wechsel ein jeder schätzungsweise rund ein Dutzend Polizeibeamte, Prostituierte, Ludenkönige und -knechte, Bürodamen, Krankenschwestern undsofort, die dem Kayankaya-Darsteller Nils Kahnwald am Rande seines Wegs durch das Dickicht übler Machenschaften um Aufenthaltsgenehmigungen begegnen.

Nächste Aufführungen am 23. April und 2. Mai.

Dieses Perückentheater kommt mit wenigen Requisiten aus. Comicstripartig pointierte Figuren werden im Wesentlichen anhand von Eigenheiten von Sprache und Tonfall, Körperlichkeit und Mimik entwickelt und sind hernach flugs, oft mit einem einzigen Wort im Bewusstsein des Zuschauers wieder abrufbar. Da ist beispielsweise die Thailänderin mit dem serienmäßig piepsigen Stimmchen und dem Dauerlächeln, oder der von Zuckungen befallene Handlanger des organisierten Verbrechens. In seiner spielerischen Machart, in deren Zuge noch aus Pannen des Ablaufs komisches Kapital geschlagen wird, ist das im äußersten Maße amüsant. Dieser charmante Theaterabend dauert mit eineinhalb Stunden ungefähr so lang wie ein „Tatort“ im Fernsehen aber er ist viel kurzweiliger.

Quelle: op-online.de

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