Schumann füllte die Alte Oper

Lange Nacht der Romantik

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Die Alte Oper in Frankfurt

Frankfurt – Auch in Frankfurt sind die Nächte lang. Ob nun Museums-Tour oder Romantik-Marathon. Der lockte mit 14 Veranstaltungen in die Alte Oper, bei denen man die Qual der Wahl hatte. Von Klaus Ackermann

Allesamt mit zeitgenössischen Speerspitzen den Romantiker Robert Schumann nachhaltig erforschend, konnte sich ein jeder sein spezielles konzertantes Menü zusammenstellen. Ein ausverkauftes (!) Haus: Zumindest die kleineren Säle waren schnell brechend voll. Es beweist, dass die Macher den Nerv des Publikums getroffen haben. Dass auch zwischen den einzelnen Sätzen geklatscht wurde – unüblich im Konzert-Ritual -, lässt darauf schließen, da waren sogar Leute unterwegs, die ansonsten um Klassik einen Bogen machen.

Das Entree im bläulichen Licht – nicht im Palmengarten, in der Alten Oper wird an diesem Abend die berühmte „Blaue Blume“ der Romantik gesucht. Voll besetzt ist der große Saal zum Auftakt mit György Kurtágs 1990 entstandener „Hommage À R. Sch.“, in der Klarinettist Jörg Widmann, Jonathan Brown (Viola) und Pianist Dénes Várjon grelle instrumentale Pirouetten wagen, die in milde Akkorde, in einen langwierigen Trauermarsch münden. Ohne Zäsur geht es über in Schumanns a-Moll-Konzert mit dem Pianisten Alexander Lonquich in Personalunion als Dirigent der Jungen Deutschen Philharmonie.

Schumanns letztes Klavierwerk

Kein Platz mehr im Liszt-Saal, wo romantisches Hochgefühl literarisch exekutiert wird. Doch der Frust hält sich in Grenzen, denn vom Olymp des großen Saal aus, für Nachkömmlinge reserviert, macht man eine persönliche Entdeckung. Keiner kann an diesem langen Abend Schumann so gut wie der junge Russe Igor Levit, der nach den „Dreadful Memories“ des zeitgenössischen US-Komponisten Frederic Rzeweski – gepflegt modernistische Klavier-Prosa – mit Schumanns Fantasie C-Dur aufhorchen lässt. Ein Stürmer und Dränger, dessen zarter Tastendruck Nuancen hat, dessen Pianissimo auch nach ganz oben dringt.

Noch ein Versuch mit dem Liszt-Saal, mit den Schauspielern Felix von Manteuffel und Anna Böger, die Schumann-Heines „Dichterliebe“ erkunden, doch keine Chance auf einen Sitzplatz – das sollte sich als Running Gag erweisen. Dafür erneut eine spannende Begegnung mit Levit im Mozartsaal, der Schumanns letztes Klavierwerk, die „Geistervariationen“, intensiv durchdringt, und mit Mojca Erdmann, die ihren lyrischen Sopran mehr oder minder ausdrucksstark Schumanns „Liederkreis“ andient.

Fünf Stunden im Nu vergangen

Zurück im großen Saal überrascht das wie aus einem Guss Schumanns Klavierquintett Es-Dur spielende Madrider Cuarteto Casals mit dem Pianisten Dénes Várjon, zu denen sich in B. A. Zimmermanns vorlagenaher Bearbeitung der berühmten „Träumerei“ noch Kontrabassistin Zuzana Blahova gesellt.

Das letzte Wort hat die großartige moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die Kurtágs skurrile Miniaturen mit spitzen schrillen Schreien kommentiert.

Am Ende sind fünf Konzertstunden wie im Nu vergangen, doch die „Blaue Blume“ wurde gottlob nicht gefunden - auch in der musikalischen Romantik ist der Weg das Ziel.

Quelle: op-online.de

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