Dialog der Gegensätze

Frankfurt - Robert Schumann ist wahrlich ein Protagonist der Romantik: Bewandert in Literatur und musikalischer Komposition, hin und hergerissen zwischen Genialität und selbstzerstörerischem Wahnsinn. Von Eva-Marie Lill 

Zwei Seiten einer Persönlichkeit, die auch heute noch fasziniert und inspiriert. Die Alte Oper Frankfurt widmet diesem Ausnahmekünstler mit der Perspektive Schumann vom 12. bis 15. März eine dreitägige Veranstaltungsreihe. Jeweils um 19 Uhr finden Expertengespräche statt, um 20 Uhr beginnen die Konzerte.

Ein besonderes Format hat sich Stephan Pauly, Intendant der Alten Oper, bis zum Schluss aufgehoben: Die Perspektive Schumann endet am 15. März ab 18 Uhr mit der „Langen Nacht der Romantik“. „Stellen Sie sich Ihren Konzertabend selbst zusammen“, lautet das Motto. Drei Lesungen in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt und elf Kurzkonzerte sollen das Publikum begeistern.

Im Stundentakt wählen Besucher zwischen jeweils vier Angeboten aus: Orchester- sowie Kammermusik, literarische Streifzügen oder auch kulinarische Leckerbissen in den Foyers. Das gemeinsame Diskutieren und Erleben steht im Vordergrund: „Bringen Sie Freunde mit!“, fordert Pauly auf, „Jeder einzelne Künstler füllt normalerweise einen Saal beim Solokonzert, jetzt präsentieren wir alle an einem Abend.“

Neben der Jungen Deutschen Philharmonie treten Größen wie die Pianisten Igor Levit und Dénes Várjon, die Sopranistin Mojca Erdmann, die Violinistin Patricia Kopatchinskaja sowie die Schauspieler Anna Böger und Felix von Manteuffel auf.

Mit diesem Format orientiert sich der Intendant der Alten Oper bewusst an erfolgreichen Veranstaltungen wie der Langen Nacht der Museen im Mai. „Ein attraktives Ausweiten der Angebote ist uns besonders wichtig. Mit vielversprechenden Experimenten und ungewöhnlichen Ideen wollen wir neue Besucher in das Konzerthaus locken“, verrät er. Die Veranstaltung ist Teil der Initiative „Neue Wege zum Konzert“, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Aventis Foundation gefördert wird.

Den Anfang am 12. März macht ein Abend ganz im Sinne von Schumanns großer Leidenschaft: dem Klavierspiel. Pianist Christian Zacharias interpretiert ab 20 Uhr eine Auswahl des Komponisten im Mozartsaal. Im Anschluss findet ein kostenloses Nach(t)konzert mit dem Schweizer Oboisten und Komponisten Heinz Holliger statt.

Holligers Werk „Lunea“, das er als „eine Art Schumann-Zyklus“ beschreibt, feiert am 13. März um 20 Uhr Uraufführung. Auch das anschließende Nach(t)konzert stellt das Zusammenspiel von Romantik und zeitgenössischer Musik heraus.

Der Abend des 14. März steht vor allem im Zeichen des Liedes. Mit Ian Bostridge interpretiert einer der bekanntesten Tenöre der heutigen Zeit Schumanns „Dichterliebe“ nach Texten von Heinrich Heine. Im Anschluss an die Veranstaltung lädt Holliger erneut zum kostenlosen Nach(t)konzert.

Die Romantik ist geprägt vom Dialog der Gegensätze. Die Veranstaltungsreihe in der Alten Oper fügt dieser Vielfältigkeit noch eine weitere Perspektive hinzu: Das Zusammenspiel von romantischer und zeitgenössischer Musik, der Dialog von alter Kunst und neuen Ansätzen: „Uns geht es darum, nicht nur Schumann zu präsentieren, sondern seine Musik auch im Spiegel zeitgenössischer Werke erklingen zu lassen“, so Pauly. „Das Gesamtpaket von Konzert, Lesung, Kulinarischem und entspannter Diskussion macht den Reiz einer solchen Veranstaltung aus. Vielleicht kommen viele Menschen wegen Schumann und stoßen auf etwas völlig Neues.“

Diesem Entdeckergeist möchte Pauly auch mit einem günstigem Eintrittspreis entgegenkommen: Eine Karte für die Lange Nacht der Romantik kostet regulär 39,50 Euro, für Wahlabonnementen nur 31,70 Euro.

Quelle: op-online.de

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