„Außer Kontrolle“ auf Hochglanz

Lauter ungebetene Gäste

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Tanz auf dem Vulkan: Willey (Marko Pustisek) und sein Sekretär (Jens Knospe) bringen sich in Schwierigkeiten.

Frankfurt - Dass Politiker nie um eine Ausrede verlegen sind und ihnen Lügen relativ leicht über die Lippen gehen, ist bekannt. Von Maren Cornils

In Ray Cooneys „Außer Kontrolle“, jetzt in der Frankfurter Komödie zu sehen, kommt freilich sogar ein mit der Wahrheit mehr als flexibel umgehender Staatsminister ins Schwitzen. Schuld sind zum einen seine Libido, zum anderen ein unvorgesehener Gast. Was zunächst nicht weiter bedrohlich erscheint, führt jedoch in beängstigendem Tempo dazu, dass sich der Minister und sein eilends zur Hilfe gerufener Sekretär nach und nach in ein abenteuerliches Lügenkonstrukt verstricken - sehr zum Vergnügen der Zuschauer, die zwar Mühe haben, den wechselnden Paarungen und Verwandtschaftsverhältnissen zu folgen, dafür aber bereits eine Viertelstunde nach Beginn kaum noch aus dem Lachen kommen.

Richard Willey (Marko Pustisek) hat sein Schäferstündchen bestens geplant: Während er offiziell in einer Parlamentssitzung weilt, hat er für sein Tête à tête mit der Sekretärin des Oppositionsführers (Ulla Schlegelberger) eine Hotelsuite, Austern und Champagner gebucht. Doch kaum hat sich seine Geliebte der ersten Kleidungsstücke entledigt, erblickt das Paar auf der Fensterbrüstung eine Leiche - ein offensichtlich von einem herabfallenden Fenster erschlagener Mann. Kein Problem für Willey, der den ungebetenen Gast kurzerhand im Badezimmer verstaut, um dann festzustellen, dass die Probleme damit erst beginnen. Denn der Herr Minister hat seine Rechnung ohne den übereifrigen Hotelmanager (Hans-Peter-Deppe), das geschäftstüchtige Hotelfaktotum (Joachim Schweighöfer) und viele andere Personen gemacht, die im Verlauf der nächsten 90 Minuten auftauchen. Angesichts gehörnter Gatten, übereifriger Krankenpflegerinnen und eines langsam aber sicher aus der Spur laufenden Verwechslungsspiels gerät die zwischendurch zu Leben erwachende „Leiche“ da beinahe zur Nebensächlichkeit.

Formidable Komödie

Ray Cooney, Autor von Boulevard-Perlen wie „Taxi, Taxi“ oder „Alles auf Krankenschein“, hat eine formidable Komödie mit dem für ihn typischen feinen Humor und vielen Slapstick-Einlagen vorgelegt. Hausherr Claus Helmer (Regie) hat daraus ein voller absurder Gags und Pointen steckendes Theater-Glanzstück gemacht, in dem vor allem Marko Pustisek als schmieriger Charmeur, Jens Knospe als weltfremder Sekretär und Joachim Schweighöfer als abgebrühter Hotelbediensteter brillieren. Vor allem die Szenen, in denen die Tür mit der am Haken hängenden „Leiche“ (Gabriel Spagna) immer im ungünstigsten Moment aufgeht, sorgen für Lachsalven.

Eine Komödienjuwel, wie man es selten findet, humorvoll und temporeich inszeniert: Spätestens am Ende fließen beim heillos nach Atem ringenden Publikum tatsächlich die Tränen. Noch bis 9.März in der Komödie Frankfurt. Karten gibt es unter Tel.: 069/284580.

Quelle: op-online.de

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