Leben als Baustelle

+
Vorarbeiter Rick (Viktor Tremmel) erzählt von der Liebe seines Lebens. Marek (Thomas Huber) bekommt den Veitstanz und lässt sich von Uli (Oliver Kraushaar) schultern. Der ist überwiegend mit Schweigen beschäftigt, ehe es aus ihm herausbricht.

Der Titel klingt nach einem philosophischen Versuch, die Dinge zu erklären. Dass hinterher nichts klarer ist als vorher, könnte man auf das Konto des Wesens der Dinge buchen. „Wenn, dann: Was wir tun, wie und warum“ ist wohl das rätselhafteste unter den Stücken Roland Schimmelpfennigs.  Von Sebastian Hansen

Handlung im engeren Sinne hat es keine. Es hört einfach irgendwann auf, und das Publikum weiß nicht recht, was das gewesen ist und worauf das hinaus wollte.

Der Titel klingt nach einem philosophischen Versuch, die Dinge zu erklären. Dass hinterher nichts klarer ist als vorher, könnte man auf das Konto des Wesens der Dinge buchen. „Wenn, dann: Was wir tun, wie und warum“ ist wohl das rätselhafteste unter den Stücken Roland Schimmelpfennigs. Handlung im engeren Sinne hat es keine. Es hört einfach irgendwann auf, und das Publikum weiß nicht recht, was das gewesen ist und worauf das hinaus wollte.

Triste Idylle mit Flaschenbier und Zigaretten

Das Leben ist einer neueren Volksweisheit nach eine Baustelle. Diese banale Erkenntnis auf die Länge eines Theaterabends zu bringen wäre zu wenig. Man muss diesem so klugen wie erfolgreichen Dramatiker wohlwollend unterstellen, dass er auf mehr bedacht gewesen ist. Jedenfalls spielt das als Auftragsarbeit für das Frankfurter Schauspiel entstandene Stück, das Christoph Mehler in den Kammerspielen inszeniert hat, auf dem Bau. In trister Idylle mit Flaschenbier und Zigaretten schwadronieren drei rülpsende Arbeiter über den Gang der Welt und über Oben und Unten in der Gesellschaft.

„Trinken, Nachdenken, Themenwechsel“, diese Regieanweisung sagt viel über den Verlauf des Abends. Er schleppt sich dahin wie ein Arbeitstag auf der Baustelle, ein Abend in der Eckkneipe. Wie manches Leben. Nicht ganz zwei Stunden geht das und hat amüsante Momente. Manch Ausspruch, manche Geste sind possierlich; die Schauspieler liefern eine Milieustudie ersten Ranges. Gearbeitet wird nur nebenbei. Es dauert lange, bis überhaupt ein Wort fällt.

Liebe des Lebens am Zigarettenautomaten kennengelernt

Viktor Tremmel als stämmig-patenter Vorarbeiter Ricki erzählt, gespickt mit Wiederholungen und Einzelheiten, die Schnurre von der Liebe seines Lebens, die er drei Tage nach seiner Hochzeit kennengelernt hat – am Zigarettenautomaten, Schnittstelle zwischen Arm und Reich. Ricki ist in Bewegung, derweil der von Oliver Kraushaar als Melancholiker gezeichnete Uli viel schweigt, ins Leere stiert und irgendwann in einem Schwall seinen Glauben an utopische Erlösung ausgießt. Für derlei ist der von Michael Abendroth mit pointiertem Spielwitz gegebene Rudi ob seines fortgeschrittenen Alters zu abgeklärt.

Weitere Vorstellungen am 13. April, 22., 28. und 29. Mai

Die Architektur des Hauses eines Reichen, an dem gearbeitet wird, birgt Mysterien. Ein schwarzes Loch tut sich hinter einer aufgerissenen Wand auf; man kann eine leere Flasche hineinschleudern, ohne dass ein Aufprall zu hören wäre. Marek, der vierte Mann, ist dem Trupp abhanden gekommen. Er sitzt in Gestalt des Schauspielers Thomas Huber in der ersten Reihe und schlägt mit einem Hammer von Zeit zu Zeit geheimnisvolle Klopfzeichen, die Figuren wie Zuschauer aufschrecken. Gegen Ende steigt er nackt auf die Bühne, schmiert sich mit Mörtel ein und führt einen Veitstanz mit Betonung von Pimmel und Wampe auf. Ein beschwingter Doo-wop-Schlager löst alles in Wohlgefallen auf.

So gut die Stimmung am Bau getroffen sein mag, so solide Autor, Schauspieler und Regie gearbeitet haben: Es bleibt das Gefühl, den Dingen des Lebens so sehr oder so wenig näher gekommen sein wie am Tresen...

Quelle: op-online.de

Kommentare