Lebendiges Denkmal für Wedekind

In Anatol Regnier kreuzen sich Literatur-, Theater- und Filmgeschichte. Er ist Enkel des Schriftstellers Frank Wedekind und Sohn des Mimen Charles Regnier, seine Großmutter Tilly Wedekind stand auf der Bühne wie seine Mutter Pamela Wedekind.  Von Markus Terharn

Und er ist ein Mann mit eigenen Talenten: Konzertgitarrist und Autor zweier Bücher über die berühmte Familie. All das hat dem Rheingau Literatur Festival einen informativen, unterhaltsamen Abend beschert.

Äußerlich ginge Regnier im Hattenheimer Weingut Balthasar Ress als Winzer durch. Hemdsärmelig, mit kurzem Silberhaar, zeigt er erzählerische Qualitäten, verschmitzten Humor und eine gehörige Portion Charme. In von gegenseitiger Sympathie getragener Interaktion mit Moderator Martin Maria Schwarz ergibt das alles andere als eine gewöhnliche Lesung.

Eben plaudert Regnier über Frank Wedekinds Eltern. Da fällt ihm ein, dass er lieber die Passage aus der von ihm verfassten Biografie vorlesen möchte. Außerdem trifft es sich, dass der Verfasser von Skandaldramen („Frühlings Erwachen“, „Lulu“) etwa 160 Lieder getextet, vertont und im Kabarett selbst gesungen hat; als erster deutscher Liedermacher, wie sein Nachfahr betont. Einige bietet er dar – und erweist sich nicht nur als fingerfertiger Virtuose auf seinem Saiteninstrument, sondern als Vortragskünstler mit vorbildlicher Artikulation.

Das Publikum ergötzt sich an erschröcklichen Moritaten wie dem „Tantenmörder“. Es lernt auch viel über den vom Sexualtrieb besessenen, sehr unglücklichen Wedekind. Zu Hause mal nachschlagen!

Quelle: op-online.de

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