„Mato liebt“ lud zum Atelierrundgang an der Bieberer Straße

Lebenszeichen der Kunst

Skulptur von Armin RagerFoto: bg

„Mato liebt“ – und lebt! Ein Ausrufungszeichen der künstlerischen Art setzte die Ateliergemeinschaft in Offenbachs Bieberer Straße bei einem Rundgang durch ihre Räume. Eigene Arbeiten, aber auch solche von Gastkünstlern waren zu sehen. Begeisternd wirkte die Professionalität, mit der die meisten Arbeiten ausgeführt waren.

Beispielsweise Cornelia Krebber: Sie verfolgt einen konzeptuellen Ansatz, indem sie Papierfahnen mit repräsentativen Zitaten zeitgenössischer Künstler versieht. Die bodenlangen Papiere stellen durch ihre Hängung Bezüge her. Eindrucksvolle Assemblagen zeigte Andrej Lempicki. Er nutzt Installationsmaterial, um es mit Stein, Plastik oder Gummi zu Objekten in einen neuen dekorativen Kontext zu bringen.

Karin Timmerbergs Köpfe und naturalistische Figuren wirken verzerrt und doch organisch, was ihnen einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Die psychedelischen Bilder von Angelika Prinz sind wie immer grandios: Aus schlichten Umrisszeichnungen von Köpfen wachsen üppige, bunte, traumhafte Malerei-Gewächse.

Die architekturnahen Werke von Migu Syed und Robert Mondani bilden dazu einen strengen Kontrapunkt. Mondani baut Türme, Kathedralen und andere Gebäude, die entweder gar keine oder nur minimale, hoch gelegene Öffnungen besitzen. Syed malt Landschaftsbilder, auf denen vor lauter Häusern und Straßen kein Platz mehr für die Landschaft bleibt. Die Porträts berühmter Frauen wie Madonna, Margaret Thatcher, Leni Riefenstahl beispielsweise, die Verena Lettmayer anfertigt, wirken äußerst dekorativ, doch verlaufende Farben ziehen sie leicht ins Groteske. Sie stellt zusammen mit Charlotte Malcolm-Smith aus, deren großformatige Leinwände schwarze, feine, ornamentale Linienzeichnungen enthalten, die aus der Ferne wie Faltenwürfe riesiger Seidenschals wirken.

Eva Moll zeigt ihre Version der Pop-Art, bunte Malerei mit großen, plakativen Symbolen. Ihr Beitrag zur Finanzkrise: Ein Regal voll kleinerer Formate – der Titel lautet: „Verkaufe alles super preiswert!“ Ein Atelier weiter finden sich traumverlorene Gemälde von Zweigen und Vögeln, von mosaikartigen Mustern in verwaschenen Farben. Eine Druckvorführung im Atelier von Cornelia Krauledat rundete die Schau ab.

Alles in allem bot das Atelierhaus einen umfassenden Einblick. Doch fehlte es an wirklich aufregender Kunst, die berührt, überrascht, den Betrachter nicht los lässt und auf neue Gedanken bringt. Am ehesten kommt dieser Ansatz wohl bei Werken des Gastkünstlers Jos Diegel heraus, auch Robert Mondanis Objekte könnten zu philosophischen Erörterungen inspirieren. Diegels Werkgruppe „größere Leinwände, längere Hälse“ prangert Phrasen an, mit denen sich Menschen manipulieren lassen. Die Umsetzung kommt marktschreierisch daher, das passt zwar zum Thema, doch ist es wenig subtil und damit der Welt der Medien zu nah.

Der Rundgang lohnte, weil auch das Rahmenprogramm mit Poetry Slam, Musik und Film nebst Diskussion viel Abwechslung bot. Anzumerken wäre nur, dass in manchen Ateliers weniger mehr gewesen wäre: Die gleichzeitige Demonstration zu vieler Künstler bewirkt leider eine Art Kannibalisierungseffekt. TINA OWCZAREK

Quelle: op-online.de

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