Blick in Seelentiefen

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Nach der Apokalypse: In Alexander Königs existentiellen Malereien ist der Mensch auf die Natur zurückgeworfen.

Offenbach - Das Offenbacher Kontrastprogramm zu den glatten Oberflächen eines Jeff Koons, der zurzeit in zwei großen Frankfurter Ausstellungshäusern gefeiert wird, liefert die Galerie von Thomas Hühsam mit den Werken des Malers Alexander König, kuratiert von der Merkel Collection. Von Carsten Müller

Die Acryl- und Ölmalereien des 1976 in Trier geborenen und in Leipzig ausgebildeten Künstlers könnten in ihrer komplexen, verrätselten Tiefe gegensätzlicher nicht sein. Sie zeigen eine Welt des Mystischen, der Fantasien und Alpträume. Keine leicht konsumierbare Kunst für den Massengeschmack, sondern ein riskantes Unterfangen, weil die Position bis ins Extrem ausgereizt wird.

„Hundewache“ titelt die Ausstellung, und Canis Lupus Familiaris taucht als Gefährte, aber auch als eine Art Seelenspiegel und sexuell aufgeladenes Gegenüber auf. Alexander König beschreibt eine apokalyptische, märchenhaft anmutende Welt, die den Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit auf die Natur zurückgeworfen hat.

Solche Urwüchsigkeit und elementare Wucht charakterisiert auch Königs Pinselführung, die Acryl und Öl in expressiven Strichen auf die Leinwand bringt. Flächig und satt ist sein Farbauftrag, von solcher Vehemenz, dass überschüssige Farbtropfen die Leinwand herunterlaufen. Die Konturen sind scharf wie die Kontraste, vieles scheint mehrfach übermalt, wirkt dadurch abstrakt, gegenständlich sind die Kompositionen nur in wenigen Details.

„Hundewache“ von Alexander König bis 8. Juli in der Galerie Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag von 15-20 Uhr sowie nach Vereinbarung unter der Nummer 069/810044.

Dramatisch aufgeladen glühen gelb-rote Hintergründe, davor jagt ein Mensch mit bloßen Händen einen Hasen, bietet ein rohes Nest Zuflucht in versteinerter Welt. Düster sind die Andeutungen und Bezüglichkeiten, wenn gottähnliche Wesen mit Lämmern, Galgen und Ketten in Verbindung stehen, wenn sich Säuglingsköpfe aus Frauenschößen schieben, von Hunden mit flammenden Heiligenscheinen bewacht.

Alexander König fordert seinen Betrachter heraus, macht es ihm nicht leicht, die in tiefen Schichten verborgenen Bedeutungen zu enträtseln. Seine Kunst lässt in Seelen blicken, stößt ein Tor auf in das Unterbewusste, das man überrascht auch als das eigene erkennt.

Quelle: op-online.de

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