Letzte Bastion des analogen Kinos

Szene aus James Camerons „Avatar“, der den Siegeszug der 3D-Technik eingeläutet hat.

Wer einen 3D-Film sehen möchte, muss dafür eins der großen Multiplex-Kinos besuchen. Im Offenbacher Cinemaxx sind seit Ende Oktober vergangenen Jahres zwei Säle für das neue Kino-Erlebnis vorgesehen. Von Veronika Szeherova

Das kostete den Konzern 100.000 Euro. Eine Investition, die sich gelohnt hat. Kinoleiter Oliver Bogan wird ganz euphorisch, wenn er davon spricht: „Das Geschäft läuft super, überdurchschnittlich. Darüber bin ich sehr froh und stolz.“

Bogan gibt zu, dass man skeptisch war, wie das Angebot in Stadt und Kreis Offenbach ankomme. „Entgegen aller Erwartungen sind wir äußerst zufrieden“, schwärmt der Kinochef. Wenn derselbe Film in 3D und in herkömmlichem 2D kommt, nehme man den zweidimensionalen meist schon nach einer Woche wieder aus dem Programm. „Die Leute wollen 3D sehen. An einem Wochenende kann ein einzelner 3D-Film ein Drittel unserer gesamten Kartenverkäufe ausmachen.“ Der höhere Kartenpreis für eine dreidimensionale Vorstellung sei also keinesfalls abschreckend.

Kleine, private Kinos stehen vor einem Problem

Doch nur die wenigsten Kinos können sich eine solche teure Umrüstung leisten wie die „Cinemaxx“-Kette. Kleine, private Kinos stehen vor einem Problem. Denn oft können sie sich nicht einmal eine „einfache“ Digitalisierung leisten, geschweige denn 3D.

Digitale Filme bedienen sich nicht mehr eines Zelluloid-Bands, sondern einer Festplatte. Das Ergebnis ist eine gestochen scharfe, auch nach häufigem Abspielen gleichbleibende Bildqualität. Um die Filme zeigen zu können, bedarf es der entsprechenden, bis zu 90.000 Euro teuren Technik. Ohne Umrüstung bleiben kleine Lichtspielhäuser eine der letzten Bastionen des Analogen.

Dabei würden gerade die Provinzkinos von der digitalen Technik profitieren: Anstatt die Kopier- und Transportkosten für Filmrollen zu zahlen, könnten sie die Festplatten-Filme schneller und günstiger erwerben. Das bisher teils wochenlange Warten auf eine Filmrolle, obwohl der Film längst angelaufen ist, wäre damit Vergangenheit – und möglicherweise ein Anreiz für das Publikum, doch einfach wieder schnell ins Kino um die Ecke zu gehen. Viele scheuen aber die Investition und hoffen auf staatliche Unterstützung.

Menschen auf einer anderen Ebene ansprechen

„Eine hessische Förderung gibt es im Moment noch nicht“, klagt Jürgen Seebacher, Geschäftsführer der Langener Kinos. Er spricht von einem „Politikum ohne Ende“ und einem „wirtschaftlichen Rechenspiel“. Zuschüsse für die Digitalisierung regte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) für kleine Häuser sowie Programm- und Filmkunstkinos bereits an. Vier Millionen Euro stehen dafür auf Bundesebene bereit. Neumann pocht darauf, dass sich die Länder beteiligen, doch nicht alle sind bisher seinem Appell gefolgt.

Seebacher ist froh, schon früh die Zeichen der Zeit erkannt zuhaben: „Wir waren eins der ersten Kinos in Deutschland, die digitalisiert wurden. Das verdanken wir dem Projekt European Docu Zone, an dem wir uns 2002 beteiligten.“ Hochwertige Dokumentationen zählen auch heute noch zum Spielplan des Kinos, so wie kleine Produktionen, verschiedene Aktionstage und eine rege Zusammenarbeit in der Stadt. Das sieht Seebacher als Rezept für die kleinen Kinos, denn „sonst könnte man vor lauter Konkurrenzdruck durch die Großen gleich aufhören“. Die Menschen sollten auf einer anderen Ebene angesprochen werden. Kulturarbeit stehe an erster Stelle. „Wir müssen unsere Nischen finden.“

Trotz dieser hehren Worte weiß Seebacher um wirtschaftliche Notwendigkeiten. Innerhalb der nächsten drei Jahre möchte er auf 3D umrüsten. „Diesen Zug müssen wir schaffen. Ich schaue, wie wir an einen Kredit gelangen könnten.“

Quelle: op-online.de

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