Liebe zum Buch als Kunst ausgedrückt

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Drastische Effekte scheuen die Künstlerinnen nicht.

Dass Schrift aus Bildern entstand, kann nachvollziehen, wer die Ausstellung in der Galerie 13 beim Bund Offenbacher Künstler besucht. Die Präsentation trägt den Titel „Palimpsest“. Von Tina Owczarek

Das ist eine Art Pergament, das beschrieben, abgeschabt und wieder beschrieben wird. Durchscheinende Untergründe und die damit einhergehende Vielschichtigkeit empfinden drei Künstlerinnen als perfekte Metapher. In Form von Bildender Kunst zeigen sie ihre Liebe zum Buch.

Doris Preußner präsentiert Leinwände in schmalen Formaten, hoch und quer. Ihre Hintergründe sind bedeckt mit dichten Schlieren von Ölfarben; nass in nass graviert sie Zeichen hinein. Buchstabenähnliche Symbole verleihen der Oberfläche Struktur. Der Betrachter sucht die Fragmente zu vervollständigen, in der Hoffnung, einen sinnvollen Text zu finden.

Mit dem Unvollendeten befassen

Ein ähnlicher Effekt entsteht bei ihren Objekten. Auf gefalteten Papieren aus Buchmakulatur sind Satzgebilde verteilt. Acrylfarben setzen Akzente. Textbruchstücke wollen ergänzt werden. Aus zwei Kurzgeschichten wählte Preußner Passagen aus. Ihnen ist gemeinsam, dass sie sich mit Unvollendetem befassen, mit unrealisierten Ideen und mit der Fantasie, Ideen verwirklicht zu haben.

Eine dritte Werkgruppe bilden Kästen mit Seiten aus einem ihrer Künstlerbücher. Die Texte, auf Bütten- oder Japanpapier im Handsatz mit Kaltnadelradierung gedruckt, sind hinter Glas ausgestellt; Zitate aus dem Briefwechsel mit einem Ostberliner Drucker liefern Impressionen aus der Zeit vor dem Mauerfall.

Mit Ideenreichtum Bücher gestalten

Karin Innerling arbeitete als Architektin, entdeckte indes ihre Leidenschaft für die Druckkunst. Mit Begeisterung und Ideenreichtum widmet sie sich der Gestaltung von Büchern. In zwei Vitrinen sind die fantasievollen Ergebnisse zu finden. Aquarellartige Drucke vervollständigen ihre Schau.

Für Karin Nedela ist das Thema ideal: So kann sie ihre Passion für das Fotografieren mit der für das Schreiben verbinden. Sie zeigt eine Auswahl von Schwarzweißabzügen, die auf Reisen entstanden sind. Kurze Texte hängen daneben. Ihre Bilder erzählen Geschichten, ihre Texte wirken wie Bilder. Auf einem Foto ist ein Brautpaar zu sehen, das sich in einem Seiteneingang verdrückt, auf einem anderen Schuhe im Schlamm, die aussehen, als wäre die Besitzerin gerade erst rausgeschlüpft und ohne sie weitergelaufen.

„Innerling, Nedela, Preußner: Palimpsest. Buch – Satz – Bild“, bis 18. Oktober in der Galerie Salon 13, Kaiserstraße 13, Offenbach. Geöffnet Mittwoch 15 bis 18, Samstag 11 bis 14 Uhr. Mehr Infos auf der Internetseite des Bundes Offenbacher Künstler.

Manchmal ergänzen sich Lichtbild und Text. Wie der über die schottische Besitzerin einer Anrichte mit Nippes und Geschirr, die Nedela verewigt hat. Beim Fotografieren erzählte sie der Dame von einem, der ein ähnliches Bild fotografiert hatte. Es stellte sich heraus, dass sie es mit derselben Person zu tun hatte. Die Schottin wollte nicht aufs Bild, „so wenig wie früher“. Doch als Nedela zu Hause nachschlug, fand sie das Foto mit der Frau im Bild.

Quelle: op-online.de

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