Neil Simons pointenreiches Stück „Das zweite Kapitel“ in der Komödie Frankfurt

Wo die Liebe hinfällt

Witwer George (Herbert Herrmann) und die frisch geschiedene Jennie (Nora von Collande) haben sich eigentlich mit dem Alleinsein arrangiert. Doch dann funkt es zwischen den beiden. - Foto: Thomas Grünholz

Frankfurt - Anschluss unter dieser Nummer: In Neil Simons Komödie „Das zweite Kapitel“ finden zwei zueinander, die eigentlich allein sein wollten. Von Maren Cornils

Es sind nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, die Jennie und George für eine Beziehung mitbringen: Jennie ist frisch geschieden, gerade dabei, sich an ihren Mädchennamen zu erinnern und auf dem besten Weg, „wieder Jungfrau zu werden“. George trauert noch immer um seine tote Frau Barbara und hat es satt, sich mit den von seinem Bruder arrangierten weiblichen Trauer-Begleitungen herum zu schlagen. Dass aus Jennie und George am Ende eines zweistündigen, aus der Feder von Boulevard-König Neil Simon stammenden Stückes „Das zweite Kapitel“ - nun zu sehen in der „Komödie Frankfurt“ - doch noch ein Paar wird, ist dem Charme der beiden Romantiker und ihren hartnäckigen Kuppel-Freunden zu verdanken. Dass man beiden die Wandlung vom begeisterten Einzelgänger zum Doppelpack abnimmt, ist Verdienst von Herbert Herrmann und Nora von Collande, die Jennie und George als lockere, lebenskluge und -bejahende, humorvolle, aber durchaus starrköpfige und vor allem streitlustige Zeitgenossen geben.

Jennie (Nora von Collande) hat von Männern erst einmal die Nase voll: Gerade frisch geschieden, ist die Schauspielerin mit sich selbst ganz glücklich und daher auch nicht sonderlich begeistert, vom Vorschlag ihrer Freundin Faye (Yuri Beckers), sich doch einmal mit Witwer George (Herbert Herrmann) zu treffen. Auch George, der noch zwischen Umzugskartons seiner toten Ehefrau Barbara hinterher trauert, steht der Sinn keinesfalls nach einem Date, auch wenn sein Bruder (Stefan Schneider) unermüdlich als männliche Kuppelfee im Einsatz ist. Dass sich die beiden im Verlauf eines streckenweise etwas langatmigen, insgesamt aber durchaus charmanten Stückes doch noch kennen und lieben lernen, ist einem Anruf Georges zu verdanken, der sich verwählt hat und statt bei einer 90-jährigen Lady bei der spöttischen Jennie landet. Es folgen vier weitere Anrufe, in denen beide beschließen, sich fünf Minuten zu treffen, um dann wieder ihrer Wege ziehen zu können. Pech nur, dass der Plan so nicht funktioniert. Denn nach Georges ungelenkem Entrée stellen die beiden nicht mehr ganz jungen Menschen fest: Es hat gefunkt.

Warum sich die beiden so heftig verlieben, dass schon nach 14 Tagen die Hochzeitsglocken läuten sollen, ist für den Zuschauer ob der spröden Art Jennys und Georges plötzlichem Gefühlumschwung zwar nicht ganz nachvollziehbar, immerhin: Herbert Herrmann gibt den verliebten großen Lausbuben par excellence und wirkt mit gesunder Bräune und weit aufgeknöpftem Hemd eher wie Mitte 50, denn wie 71. Natürlich führt der Weg dann doch nicht in den so früh angesteuerten Ehehafen, denn allerlei emotionale Turbulenzen sorgen dafür, dass Jennie und George erst zum Ende der zweiten Halbzeit des „Zweiten Kapitels“ wieder zueinander finden.

Mit „Das zweite Kapitel“ beweist Herbert Herrmann, dass er sich - dem Alter zum Trotz - nicht nur auf die Rolle des Sunnyboy versteht, sondern auch als Regisseur sein Handwerk beherrscht. Dass die Chemie zwischen Herrmann und von Collande stimmt, trägt zur Unterhaltsamkeit des pointenreichen Stückes bei, ebenso wie die Idee, die zwei mitunter parallel ablaufenden Handlungsstränge bzw. Single-Leben auf zwei Bühnen-Ebenen darzustellen.

‹ Weitere Vorstellungen bis zum 11. Mai

www.diekomoedie.de

Quelle: op-online.de

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