Burgfestspiele

Liebe ohne Happy End

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Beim Bühnenbild mussten Zugeständnisse gemacht werden, ansonsten überzeugten aber Sänger und Musiker der Opera Classica.

Dreieichenhain - Die Aufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ bei den Burgfestspielen Dreieichenhain wurde rundum zum feuchten Erlebnis. Von Eva Schumann 

Und zwar zu einem ganz besonderen: Wann hat man schon Cio-Cio-San und Pinkerton ihr großes Liebesduett mitten im strömenden Regen singen hören?. Das Wetter schien bereits anzudeuten, dass diese Liebesbeziehung traurig enden muss. Jedenfalls entpuppten sich Rosa Maria Hernández und Miroslav Christoff als wahre Helden. Schutzlos dem Schnürlregen ausgesetzt, hielten sie unerschütterlich, ohne den kleinsten Stimmwackler, bis zum letzten Ton und zum gemessenen Abgang durch. Womit sie sich donnernden Sonderapplaus verdienten. Dank den Stimmen des Liebespaars und den Leistungen des gesamten Ensembles, das die Opera Classica präsentierte, lohnte sich fürs Publikum das tapfere Ausharren bis zum Finale. Die mexikanische Sopranistin Hernández machte die Tatsache, dass sie altersmäßig nicht der Rolle einer fünfzehnjährigen Butterfly entsprach, durch intensive Körpersprache und sensible Gestaltung wett. Man glaubte ihr die kindlich anmutige Geisha, ebenso wie das naive Vertrauen und den Stolz auf die amerikanische Ehe. Anrührend schwankte sie zwischen Himmelhoch-Jauchzen und Zu-Tode-betrübt-sein. Ihre sängerische Leistung war makellos.

Auch Christoff als Pinkerton gefiel stimmlich und mit deutlicher Artikulation ausgezeichnet. Dass der bulgarische Tenor nicht gerade als feuriger Liebhaber wirkte, passt zur Rolle des ungetreuen amerikanischen Marineleutnants, der die japanischen Sitten von oben herab wahrnimmt und die kleine Geisha als Spielzeug betrachtet. Gestalterisch und stimmlich hervorragend war die Mezzosopranistin Noriko Kaneko als mitfühlende Dienerin Suzuki. Die grazile Japanerin hatte den Vorteil, am authentischsten zu wirken. Mit dramatischem tiefen Register führte sie im zweiten Akt ihre Rolle zum Höhepunkt. Der Rolle des Konsuls Sharpless gab der bewährte Williams Wilson glaubhaftes Profil. Der US-Bariton war ein vortrefflicher Partner der beiden Hauptpersonen. Einen guten Eindruck hinterließen auch Geo Chobanov als Onkel Bonzo, der die „abtrünnige“ Nichte verflucht, Davide Piaggio als Werber um Cio-Cio-San, Stephen K. Foster als Commisario und Magda Marcu als Kate Pinkerton. Auch Anton Zidaru lieh dem Makler Goro einen ansprechenden Tenor, übertrieb allerdings das katzbuckelnde Herumtrippeln.

Die Regie von Michael Vaccaro hatte sich der Open-Air-Spielstätte und dem Tourneebetrieb anzupassen. So entfielen manche Details. Man musste sich damit abfinden, dass der, laut Libretto dreijährige, Sohn des Liebespaars zwar blondgelockt, aber größer war als seine Mutter und stets ziemlich steif herein- und herausgeführt wurde. Cio-Cio-San konnte ihr Knäblein weder zärtlich auf den Arm nehmen, noch ihm glaubhaft ein Wiegenlied singen. Die spartanische Bühne machte es ihr nicht gerade leicht, sich mit dem Dolch zu töten - ungeschützt wenige Meter von den ersten Besucherreihen entfernt. Bewunderungswürdig trotzte auch das Orchester der Nässe. Die junge Dirigentin Viliana Valcheva hatte Orchester und Chor des Nationaltheaters Contanta und das gesamte Ensemble fest im Griff. Soweit es die nicht gerade günstigen akustischen Verhältnisse erlaubten, kamen Puccinis impressionistische Feinheiten eindrucksvoll zur Wirkung.

Quelle: op-online.de

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