Fulminanter Auftakt des Gastspiels „Ballet Revolución“ in der Alten Oper

Aus Liebe zum Tanz

+
Die Sinnlichkeit und Lebensfreude Havannas müssen sich die kubanischen Tanz-Perfektionisten nicht aneignen.

Frankfurt - Ballett ist weiß und unschuldig? Das war gestern. Heute ist Ballett schwarz. Und wenn nicht verrucht, dann zumindest verdammt sexy. Die neue Tanzshow „Ballet Revolución“ feierte eine umjubelte Premiere in Frankfurts Alter Oper. Von Veronika Szeherova

„Revolución“ ist wörtlich zu nehmen. Die Compagnie, Absolventen der angesehenen kubanischen Escuela Nacional de Arte, schlägt revolutionäre Wege ein und vereinigt scheinbar Widersprüchliches: Filigranes Ballett auf höchstem Niveau getanzt zu Popmusik, Mambo oder Rock. Da wirken „Roxanne“ von Sting oder „If I Were A Boy“ von Beyoncé, als seien sie für nichts anderes als klassisches Ballett geschrieben worden. Die Überschreitung der Grenzen geschieht so selbstverständlich, leichtfüßig und athletisch, dass die Zuschauer sich immer wieder zu Szenenapplaus hinreißen lassen.

Die 18 Tänzer gehören zu den größten Talenten, die Kuba zu bieten hat – das Land, das Musik und Tanz lebt wie kaum ein anderes. Die Sinnlichkeit und Lebensfreude Havannas müssen sich die Akteure nicht aneignen. Sie ist in ihnen drin. Keinen Moment wirkt das Lächeln aufgesetzt, der Blick angestrengt. Sie tanzen, weil sie es lieben. Und sie haben es zur Perfektion gebracht.

Zu den Höhepunkten gehört ganz klar diese Performance: Zwei Stühle, zwei Paare. Im Wechsel fällt der Lichtstrahl auf sie und zeigt eine tänzerische Annäherung, bei der es vor Erotik knistert. Jeder Muskel ist angespannt, das Bein mustergültig bis zur Zehenspitze durchgedrückt, Spagate, als gäbe es nichts Simpleres, Hebefiguren, die den Tanzfilm „Dirty Dancing“ wie Kindergeburtstag wirken lassen.

Ein Stück Karibik in Frankfurt

Unbändige Lebensfreude dagegen bei Stücken wie Shakiras „Hips Don’t Lie“ oder Jennifer Lopez’ „On The Floor“. Die Musik, live gespielt und gesungen von einer siebenköpfigen Band, ist die passgenaue Untermalung zu waghalsigen Sprüngen, Drehungen und Figuren. Mit Conga-Trommeln und Trompete bringt die Band ein Stück Karibik nach Frankfurt. Man kann wieder nur staunen, wie gut das zusammen mit Ballett funktioniert.

Die meist schwarzen und knappen Kostüme hat Jorge Gonzales entworfen, der als Juror bei „Germany’s Next Topmodel“ von sich reden machte. Er sitzt bei der Frankfurter Premiere im Publikum. Ebenfalls in die Alte Oper gekommen sind die beiden „Let’s Dance“-Juroren Joachim Llambi und Motsi Mabuse. Ihre Punktekellen haben sie freilich nicht dabei. Aber so, wie sie applaudieren und jubeln, würden sie diesmal wohl die „10“ vergeben.

‹ Vorführungen noch bis 1. Juli. Vom 8. bis 12. Januar 2013 gastiert „Ballet Revolución“ erneut in der Alten Oper Frankfurt. www.ballet-revolucion.com

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare