Liebe verleiht Flügel

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Liebe war das Thema: Ein junges Mädchen möchte studieren, muss sich dafür als Mann verkleiden, findet die Liebe ihres Lebens. Weil sie einen von den Eltern bestimmten Gatten zu heiraten hat, sterben sie und ihr Liebhaber und verwandeln sich in Schmetterlinge.

Wiesbaden - Fernöstlich zirpt und maultrommelt es aus dem Graben des Wiesbadener Staatstheaters, dazu mischen sich Streichermelodien: Aus China ist die Zhejiang Xiaobaihua Yue Opera Troup zum Gastspiel bei den Internationalen Maifestspielen angereist. Von Axel Zibulski

Eine Europa-Premiere, die an frühere Tage erinnert: Da galt Wiesbaden im Wonnemonat als Fenster zum Osten, vor dem sich für Gastspiele der Eiserne Vorhang hob. Zwar ist China kein verschlossenes Land mehr, aber der kulturelle Austausch wird meist in umgekehrter Richtung wahrgenommen. Westliche Klassik ist im Reich der Mitte gefragt wie nie; dass jedoch eine chinesische Kompanie wie die 1984 gegründete Yue Opera in Deutschland gastiert, hat, wie bei dieser europäischen Erstaufführung des Stücks „Butterfly Lovers“, eher Ausnahmewert. Schwer zu sagen, inwiefern sich hinter dem freundlichen Lächeln der Darstellerinnen, unter der Oberfläche dieser so mild und heiter bis moderat exotisch klingenden Musik Abgründiges verbirgt.

Denn das mehr als anderthalb Jahrtausende alte Sujet mag im modernen, aber patriarchalisch geprägten China der Ein-Kind-Politik durchaus heikel sein: Ein junges Mädchen möchte studieren, muss sich dafür als Mann verkleiden, findet die Liebe ihres Lebens. Weil sie einen von den Eltern bestimmten Gatten zu heiraten hat, sterben sie und ihr Liebhaber und verwandeln sich in Schmetterlinge. Eher süßlich, auch ein wenig kitschig bebildert die Inszenierung von Guo Xiaonan das, etwas stereotyp wirken die ausladenden und fächernden Gesten der Darstellerinnen, die tatsächlich alle Frauen sind, passend zum Verkleidungsspiel der Handlung.

Erzählt wurde diese überschaubare Geschichte in gut zwei pausenlosen Stunden, die ein entspanntes fernöstliches Verhältnis zur Zeit verrieten. Das kleine, west-östlich instrumentierte Orchester spielte untadelig, sechs Solistinnen und ein Chor rezitierten den bildhaft-blumigen, oft in melodisch engem Sprechgesang gehaltenen Text.

Am Ende das Bild eines riesigen Schmetterlings: Illusionstheater, das im fast ausverkauften Großen Haus seine Wirkung nicht verfehlte. Auch Intendant Manfred Beilharz soll von der Produktion zum Weinen ergriffen gewesen sein.

Quelle: op-online.de

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