Molières „Die Schule der Frauen“ auf Hessisch

In liebestoller Verzweiflung

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Arnold (Michael Quast) herzt „seine“ Agnes (Pirkko Cremer).

Frankfurt - Die beste Ehefrau von allen kann man(n) sich leider nicht backen. Von Christian Riethmüller

Aber vielleicht auf andere Weise erschaffen? Der reiche Frankfurter Bürger Arnold (Michael Quast) hat zwar großen Spaß daran in seinem Umfeld zu beobachten „wie aans de anner hinnergeht“, doch ihm selbst soll so etwas nicht geschehen. Also hat er Vorsorge getroffen, wie er seinem Freund Christoph (Detlev Nyga) verschwörerisch mitteilt. Die ideale Frau, so Arnold, sei treu. Doch treu bleibe sie nur, wenn sie dumm sei. Und deshalb habe er das Mädchen Agnes (Pirkko Cremer) zunächst in einem Kloster und dann in Obhut seines einfältigen Dienerpaars aufziehen lassen, damit Agnes auch ja nicht in Berührung mit so etwas wie Bildung oder sonstigen weltlichen Einflüssen kommt. Lieb, reizend und dumm wie das Mädchen sei, wolle er es nun heiraten.

Doch daraus wird so schnell nichts, weil mit Horazius (Dominic Betz), Sohn eines Geschäftsfreunds von Arnold, ein Störenfried auftaucht. Dieser junge Geck hat sich doch in ein junges Mädchen namens Agnes verliebt, das von einem alten Zausel streng bewacht wird, erzählt er aufgeregt Arnold, nicht ahnend, dass eben der besagter Zausel ist. So geht es zu in Molières Komödie „Die Schule der Frauen“, die nun in ihrer wunderbaren hessischen Fassung von Wolfgang Deichsel im Cantate-Saal des früheren Volkstheaters in Frankfurt zu sehen ist. Die Fliegende Volksbühne zeigt dort die bereits vor einigen Jahren für „Barock am Main“ entstandene und nun für den Saal neu bearbeitete Inszenierung von Sarah Groß.

Wie beim beliebten Festival vor dem Bolongaro-Palast in Höchst ist auch hier lustvoll in den Schminketopf gegriffen worden und freuen sich die Perückenhersteller, ohne dass man aber je auf den Gedanken käme, hier würden altbackene Theatertraditionen konserviert. Michael Quast und seine Mitstreiter machen sich vielmehr einen großen Spaß, wenn sie zum Vergnügen des Publikums in liebestoller Verzweiflung rivalisieren als ginge es tatsächlich um die einzig wahre Liebe. Vor allem Quast ist einmal mehr eine Schau für sich, wenn er im Ringen um „seine“ Agnes wütet, schmeichelt, flucht, wehklagt, intrigiert, ermahnt und seine Eifersucht niederkämpft, ohne sich offenbaren zu dürfen, derweil Horazius in seinem Werben um Agnes entscheidende Vorteile erringen kann.

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Nicht minder köstlich agieren Valerie von Scheel und Alexander J. Beck als selten bescheuertes und auch noch dreistes Dienerpaar, die ihrem Herrn Arnold alles andere als eine Hilfe oder gar Stütze sind. Die bräuchte er allerdings, denn auf den alternden Möchtegern-Bräutigam wartet noch ein sehr überraschender Besuch, der seinen Lebenstraum gehörig durchschüttelt. Einer jener Gehörnten, über die er sich amüsierte und denen er mit seinem Plan voraus sein wollte, ist - hol's der Deiwel - er selbst.

  • Weitere Vorführungen am 15., 16., 17., 18, 23., 25. und 26. Januar sowie am19., 20., 21., und 22. Februar 

Quelle: op-online.de

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