Linke Lebenswirklichkeit

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F.K. Waechter prägte auch mit seinen Kinderbüchern eine ganze Generation.

Frankfurt - Die Symbolik ist eindeutig – und nichts für Zartbesaitete: „Der Papst kommt schon wieder“, heißt das Bild. Darauf ist der Pontifex karikiert, ein „hurra“ rufendes Schäfchen besteigend. Satire ohne Tabus ist das Markenzeichen von Friedrich Karl Waechter. Von Veronika Szeherova

Dass sein Spektrum noch weit darüber hinaus reicht, beweist die „Ausstellung F. K. Waechter – Zeichenkunst“, die ab heute im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Frankfurt zu sehen ist.

Damit kehrt zumindest ein Teil seiner Werke in die ursprüngliche Heimat zurück. Den wesentlichen Teil seines künstlerischen Lebens verbrachte der gebürtige Danziger in Frankfurt, wo er am 16. September 2005 starb. Sein beeindruckender Nachlass von rund 4 000 Blättern wird im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover aufbewahrt. Das MAK zeigt in seiner Sonderschau 164 der wichtigsten Zeichnungen Waechters – darunter einiges aus dem Satiremagazin „Titanic“, dessen Mitbegründer er war, aber auch seine weniger bekannten Seiten.

Prägend für humanitäre Entwicklung der 70er

164 Originalzeichnungen des berühmten Karikaturisten laden zum Schauen und Lachen ein.

So prägte er das Kinderbuch der 70er und 80er Jahre maßgeblich – als Autor, vor allem aber als Illustrator. „Ohne ihn hätte das illustrierte Kinderbuch eine andere Entwicklung genommen“, ist sich Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth sicher. Es begann mit dem „Anti-Struwwelpeter“ im Jahr 1970, einer anti-autoritativen Parodie auf den Struwwelpeter. „Der rote Wolf“ und das poetisch-literarische Bilderbuch „Die Schöpfung“ beweisen, dass Waechter auch ganz andere, sensible Seiten aufschlagen konnte. „Seine Buchkunst führt auch uns Erwachsene zurück zu einem Moment des Spiels, zum Kindlichen, Elementaren, das wir in uns tragen“, sagt Eva Linhart, Kuratorin des MAK Frankfurt. „Sie sind ein Gegenentwurf zur deutschen Nachkriegszeit und prägend für die humanitäre Entwicklung der 70er Jahre.“

Die antiautoritäre Kultur in Deutschland ist ohne Waechter kaum vorstellbar. Es waren nicht nur seine satirischen Zeichnungen in den Zeitschriften „twen“, „pardon“ oder „Titanic“, die über Jahrzehnte deutsche Lebenswirklichkeit wiederspiegelten, auch über andere Wege fand der zur Neuen Frankfurter Schule gehörende Künstler Zugang in den Alltag der Menschen. Er illustrierte Schallplatten-Cover, kreierte Spiele wie etwa das berühmte Tierpuzzle von 1974, ein Schachspiel aus Schrauben und ein Kartenspiel, das Motive aus der linken Kultur als Ornamente trägt. Ein besonderer Hingucker, der nicht nur in der Ausstellung zu sehen, sondern auch im Fachhandel käuflich zu erwerben ist. „Vor kurzem erst ist das Kartenspiel wieder aufgelegt worden“, verkündet Eva Linhart stolz.

Auch Kinder können künstlerisch aktiv werden

 „F.K. Waechter – Zeichenkunst“, Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, Frankfurt. Ausstellungsdauer: 8. Juli bis 11. September. Öffnungszeiten: Di bis So 10-17 Uhr, Mi 10-21 Uhr.

Die Ausstellung hat keine strenge Gliederung – das würde ja auch nicht zu Waechter passen. Es gibt aber Themenkomplexe wie „Vater & Sohn“, „Aus dem Tierreich“, „Christentum“ oder „Die letzten Dinge“. Und wie es sich für eine moderne Ausstellung gehört, dürfen interaktive Elemente nicht fehlen. Für Erwachsene gibt es Lesetische, eine Videopräsentation und Hörstation. Für Kinder von sechs bis 15 gibt es ganz neu das Studio KinderKunstMobil, kurz KKM. In dem „Erfahrungs- und Lernort“ können sie sich mit bereitgestelltem, themenbezogenem Material selbstständig mit dem Ausstellungsinhalt auseinandersetzen und künstlerisch aktiv werden. Ganz ungezwungen. Das hätte bestimmt auch F.K. Waechter gefallen.

Quelle: op-online.de

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