Literarische Leistungen in Langform

Hin sind die Ersten morgens um elf, weg waren die Letzten abends um elf. „Hin und weg“, das Saisonmotto im Schauspiel Frankfurt, galt auch für den „Langen Tag der Bücher“. Zwölf Autoren aus zwölf Frankfurter Verlagen in zwölf Stunden: Da gab’s am Sonntag Literatur rund um die Uhr.

Allein am Abend sah sich das Publikum im bestens besuchten Chagallfoyer mit vier Charakteren konfrontiert, geschaffen von „Nachwuchsschriftstellern“ der Jahrgänge 1948, 1969, 1972 und 1982.

Da war die Titelheldin aus „Nanettes Gedächtnis“ (Suhrkamp) von Friedmar Apel, deren Betrachtung zweier Turner-Bilder ihr Leben verändert. Dass die wahren Täter des Kunstraubs, der sich in der Schirn abgespielt hat, andere gewesen sind, wollte der Verfasser nicht erklären. Treten bei ihm doch auch Träger bekannter Namen auf, die mit den Prominenten gar nicht identisch sein können.

„Das Leben der Anderen“ wäre laut Markus Orths ein guter Titel für seinen Roman gewesen, „aber das ging gar nicht“. Zwar war „Das Zimmermädchen“ an Annegret Held vergeben, doch durfte er sein Buch (Schöffling) trotzdem so nennen. Das Porträt einer Hotel-Putzkraft, die unterm Bett liegend die Gäste ausspioniert, entfaltete einen obsessiven Sog.

Nach Buenos Aires entführte María Cecilia Barbetta mit „Änderungsschneiderei Los Milagros“ (S. Fischer). Dabei erfuhren die Zuhörer weniger über die Schneiderin Mariana und ihre Kundin Analía, aber viel über Argentinien und das Textilhandwerk, erzählt in geradezu magischem Stil.

Als Mann ohne Eigenschaften zeichnete Nora Bossong in „Webers Protokoll“ (Frankfurter Verlagsanstalt) den Diplomaten Konrad Weber, der im Nachkriegsdeutschland Fuß zu fassen sucht und über die Vergangenheit stolpert. Nüchterne Sprache und späte Stunde zeitigten nachlassendes Interesse – unverdient!

MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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