Loblied des Snobismus

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Max Goldt, der sich nicht Satiriker oder Kolumnist, sondern Schriftsteller genannt wissen will, war seit seinen Anfängen in den 80er Jahren aus der Zeit gefallen.

Max Goldt, der sich nicht Satiriker oder Kolumnist, sondern Schriftsteller genannt wissen will, war seit seinen Anfängen in den 80er Jahren aus der Zeit gefallen. Mit nicht einmal 30 Jahren war er im Vortrag mit altväterlich-sonorem Ton ausgestattet. Von Sebastian Hansen

Bieder wirkte er nie, einfach stilbewusst, im Schreiben wie in seinem Äußeren. Ins Bild dieses angenehm attitüdenfreien Konservativismus passt, dass Goldt alljährlich um Weihnachten im Frankfurter Mousonturm liest, mittlerweile an drei Abenden. Es fällt einem kein zweiter lebender Autor deutscher Sprache ein, der mit seiner Komik immer wieder überrascht. Das ist Kennzeichen wahrer Komik, Berechenbarkeit ihr Tod.

Max Goldt, der sein Schreiben aus dem Denken entwickelt, spinnt Fantasien, die sich selbst genügen. So lässt er zwei hässliche Menschen beiderlei Geschlechts aufeinander treffen und sich genüsslich über ihre körperlichen Nachteile austauschen. Das ist, auf feinsinnige Weise, ungemein lustig.

Von Erörterungen spricht er mit Blick auf seine Texte

Häufig geht es bei Goldt, der Texte aus seinem neuen Band „Ein Buch namens Zimbo“ sowie solche älteren Datums vortrug, um Besserung des Menschen. Der tritt oft als Spießer in Erscheinung. In den Darstellungen des Comedy-Unwesens trägt dieser eine Kassenbrille. Goldt entwirft ein Bild vom heutigen „Sexy-lecker-geil-Menschen“ mit sorglosem Sprachgebrauch und kulturellen Attitüden der 80er Jahre.

Zu Unrecht in Verruf geraten ist nach Goldts Befinden der Snob. Wem verdanken wir denn das Angebot an edlen Weinen, wohlschmeckendem Käse und gutem Brot? Dem Ernährungssnob! Er ist es, der nicht erst die neuerlich viel bequasselte „Exzellenzinitiative“ brauchte, um die Qualität zu seiner Sache zu machen. Etwas Besseres sein zu wollen müsse doch nicht als Todsünde gelten – zumal etwas Besseres als das Bestehende nun mal erstrebenswert erscheine und die eigene Person genug Anlass biete, um bei ihr anzufangen...

Von Erörterungen spricht Goldt mit Blick auf seine Texte. Ein Wort, das die entspannte, freilich entschiedene Grundhaltung trifft, allerdings nicht vom Humor kündet. Seit Mitte der 80er Jahre ist Goldt mit seinen Texten unterwegs, beinahe im Jahresrhythmus bündelt er welche zu Büchern. Und die Fantasie geht ihm nicht aus. Der Mann darf wiederkommen!

Quelle: op-online.de

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