Lügen haben viele Beine

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Kühler Kopf ist im heißen Liebesreigen notwendig Christopher Krieg und Anita Kupsch.

Frankfurt - Die Rolle ist Anita Kupsch geradezu auf den Leib geschrieben: Als „Perle Anna“ sorgt die Berliner Volksschauspielerin in der Komödie Frankfurt dafür, dass der Haushalt ihrer Herrschaften gehörig durcheinander gewirbelt wird. Von Maren Cornils

Ebenso wie das sich in rasantem Tempo drehende Beziehungskarussell. Anna ist eine Haushälterin, wie man sie aus US-Slapstickkomödien kennt: neugierig, bauernschlau und jederzeit bereit, für ein gutes Trinkgeld ihre eigenen Eltern zu verkaufen. Sehr zum Leidwesen von Arbeitgeber Bernard (Christopher Krieg ), der es schwer hat, seine zahlreichen Affären vor Anna zu verbergen. Doch auch Hausherrin Claudine (Alexandra Marisa Wilcke) hat es faustdick hinter den Ohren. Als Ehemann Bernard eine Konferenz in Lyon vortäuscht und seine Holde flugs in das Elsass abschiebt, um sich daheim ein Schäferstündchen mit Olga (Ulla Schlegelberger) zu gönnen, nutzt seine Gattin die Gunst der Stunde und lädt Boxer Robert (Christian Sunkel) nach Hause ein. Dumm nur, dass hier nicht nur Anna wartet, die ihren Herrschaften nur vorgespielt hat, auf eine Reise zu gehen, um sich stattdessen in Ruhe dem Inhalt der Hausbar zu widmen. Dass am Ende, ganz anders als im Leben, alle Beteiligten glücklich sind, liegt in der Natur der Komödie.

Noch bis 15. Januar in der „Komödie Frankfurt“. Karten gibt es unter der Nummer 069/284580

Das Boulevard-Stück aus der Feder von „Boeing, Boeing“-Autor Marc Camoletti ist eine Paraderolle für Anita Kupsch, in der die beliebte Schauspielerin alle Register ihrer Kunst ziehen kann. Mit herzhafter Berliner Schnauze führt sie das Regiment in diesem Haushalt untreuer Seelen. Am liebsten macht sie einen großen Bogen um die Hausarbeit und spioniert den Eheleuten hinterher. Mit göttlicher Mimik, köstlich schnippischen Kommentaren und sichtlichem Spaß an diesem Verwirrspiel wirbelt Kupsch über die Bühne und kann sich dabei das Lachen manchmal nicht verkneifen. Dreht sich doch augenscheinlich alles um sie, die als einzige einen kühlen Kopf zu bewahren scheint und im Hintergrund geschickt ihre Fäden zieht.

Neben einer dominanten, weil schlichtweg grandiosen Anita Kupsch kommen andere Schauspieler nur schwer zur Geltung. Am besten gelingt es Ulla Schlegelberger, sich aus dem Schatten der Kupsch herauszuspielen. Ihre Olga, mit schwerem Akzent als naives Püppchen aus Wladiwostok gespielt, sorgt für die einzigen Lacher, die nicht auf das Konto der Volksschauspielerin gehen.

Quelle: op-online.de

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