„Luke, ich bin dein Vater“

+
Die Mitglieder des Star Wars-Kostümclubs German Garrison in ihren kunstvollen Kostümen. 

Die fünf werden nicht müde zu betonen, dass sie alle ganz normale Menschen sind. Womöglich befürchten sie, die Beteuerung könnte nach der Verwandlung an Glaubwürdigkeit verlieren: „Ich brauche etwas Klebeband“, ruft Jürgen den anderen bei halber Mutation zu. Von Sebastian Faerber

Eine Schulterklappe seiner Uniform hat sich gelöst. Der graue Stoff des Anzugs, die sich darüber spannenden Gurte, die an das Geschirr eines Bergsteigers erinnern und der Brustpanzer sitzen bereits fest am Körper. Nachdem der kleine Defekt behoben ist, folgen Stiefel der Marke Grobklotz, die ihren Besitzer geradezu zwingen, einen furchterregend steifen Gang hinzulegen.

Seine vier Kollegen der „German Garrison“ der „501st Legion“, dem Star Wars-Kostümclub schlechthin, gehen ihrem Hobby nicht minder penibel nach: Stück für Stück verschwinden sie in den Kostümen von Darth Vader, Imperial Officer und Co. Schläuche führen unter die Helme, aus denen metallene Stimmen dringen. „Mama, was sind denn das für welche?“, fragt ein Mädchen im Vorbeigehen und drückt die Hand der Mutter ein wenig fester. Sicher, die Fans der dunklen Seite der Macht könnten auch Helden à la Luke Skywalker oder Han Solo ehren. Dass dem nicht so ist, hat einen einfachen Grund.

370 Fans sind es heute

Seit mehr als zehn Jahren sind die Star Wars-Fans in Deutschland in einem Club organisiert. Angefangen hatte alles mit einer Internetseite aus Übersee, auf der Anhänger aus den Vereinigten Staaten ihre Kostüme der imperialen Streitkräfte präsentierten. Kurze Zeit später schlossen sich auch deutsche Fans zusammen – 370 sind es heute. Darunter Jürgen aus Mühlheim, Peter und Tochter Vivian, sowie Petra und Alexander Less. Sie gehören dem Squad „Arma Candida“ an. Im Forum diskutieren sie neue Filme oder die Arbeit an den Kostümen und fachsimpeln über Dinge, die nur ein Todesstern-Bewohner versteht.

Die Möglichkeit, sich online auszutauschen, ist wichtig. Denn neue Club-Anwärter kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und müssen sich vor der Aufnahme mit ihren Kostümen dem kritischen Urteil eines Gremiums stellen. Das sei notwendig, weil es kaum vernünftige Aufmachungen zu kaufen gebe. Ein hochwertiges Kostüm des Schurken Vader koste gar 5000 Euro. Da ziehen viele die zeitraubende Eigenproduktion vor – was in der Gemeinschaft Anerkennung findet. Doch um im Club aufgenommen zu werden, müssen die Kostüme in allen Details „filmkonform“ sein.

Nach der Aufnahme ist es vorbei mit der Pingeligkeit

Was bedeutet, dass der Helm eines Soldaten im gleichen Farbton wie der des Originals lackiert sein muss. Oder dass ein Schalter vom Sprechfunk an der richtigen Stelle montiert ist. Glaubt der Bastler, alles umgesetzt zu haben, fotografiert er sein Werk aus sämtlichen Perspektiven und stellt die Bilder ins Forum. „Es kann passieren, dass man nur eine einzelne Naht ändern muss“, amüsiert sich Jürgen. Doch das habe alles seinen Sinn, und nach der Aufnahme sei es vorbei mit der Pingeligkeit. „Egal ob dick oder dünn, bei uns gibt es kein Gerede, und niemand wird ausgeschlossen“, merkt der AT-AT Driver an. Um derart originalgetreue Kostüme zu basteln, müssen die Fans die Filme kennen wie Papst Benedikt die Bibel.

Wer dem Imperium einmal von Antlitz zu Antlitz gegenüber treten möchte, kann das am morgigen Samstag in Darmstadt/Eberstadt tun. Dort sind die Schlachtenbummler ab 13 Uhr in der Raumfahrerkneipe „Old Rocketman“. Und wer sie dann ein wenig foppen möchte, der rufe: „Schau mal, die Trekkies da drüben!“ Denn mit Kapitän Kirk, Mister Spock und Co. aus Star Trek würden die Jünger der dunklen Seite „zum Davonlaufen oft“ verwechselt.

„Oh Gott!“, seufzt Petra Less und vergräbt das Gesicht in den Händen, als sich ihr Mann mit der Frage konfrontiert sieht, wie oft er die Star Wars-Streifen schon gesehen hat. „So 500-mal bestimmt“, gesteht der 35-Jährige. Mittlerweile schaue er nicht mehr die ganzen Filme. „Ich drücke immer abwechselnd auf 'Play' und 'Pause'“, erklärt der Schlosser. „Und dann sehe ich mir die kleinen technischen Spielereien ganz genau an.“ An die erste Kinoaufführung 1978 erinnert sich Peter noch: „Meinen Eltern hab‘ ich damals erzählt, ich geh‘ in 'Bernhard und Bianca'.“ Neben all der Fan-Kultur hat die Leidenschaft der fünf auch eine ernste Seite: „Ich mache das hauptsächlich wegen des guten Zwecks“, sagt der Erzieher. Denn oftmals heuern Unternehmen oder Privatleute die Mitglieder der „German Garrison“ an, damit diese auf Veranstaltungen wie Kindergeburtstagen auftreten. Das Geld spendet die Gemeinschaft etwa der Kinder-Krebshilfe.

Eine Zusammenkunft, von der die Szene immer noch gerne spricht, fand im Mai in der Star Wars-Abteilung des Legolands statt (Videos auf YouTube). 300 Jünger des Imperiums kamen aus dem In- und Ausland und sorgten für Stimmung. „Mir ist unter dem Kostüm vielleicht die Suppe gelaufen“, erinnert sich Peter an den heißen Tag. „Wenn man so schwitzt, kann man nur mit Herz dabei sein“, ergänzt er.

Ein derart großes Treffen wird es so schnell nicht wieder geben. Doch da die Filme im September im Blue-Ray-Format erscheinen, rechnet die „German Garrison“ noch einmal mit Zulauf. Aber warum huldigt nun eigentlich die Mehrheit den Bösewichten? „Wir haben einfach die cooleren Kostüme!“

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare