Lyrik über Liebe

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Dichter Raoul Schrott las in Offenbach.

Mit einem Japaner, der Mittelhochdeutsch studiert hat und etwas in Offenbach bestellt, verglich Raoul Schrott seinen Vortrag auf Sumerisch. Der Österreicher hat die Sprache von einem Niederländer gelernt. Da in ihr aber die ältesten Gedichte der Menschheit notiert sind, bekamen Besucher seiner Lesung im Klingspormuseum eine Kostprobe. Von Markus Terharn

Schrott gab auf Einladung der 175-jährigen Steinmetz’schen Buchhandlung Einblick in sein Standardwerk „Die Erfindung der Poesie“. Den roten Faden lieferte die Sumerer-Göttin Inanna, deren Tradition er über die ägyptische Hathor und die griechische Aphrodite bis zur römischen Venus weiterspann: Lieder über Liebe meist, lustvoll bis regelrecht lüstern.

Originale und Übersetzungen intonierte der Autor mit dunkler, klangvoller Stimme, eingebettet in kluge Erläuterungen. Melodie und Rhythmus erschlossen sich auch, wo die Worte unverständlich blieben. Am Ende begriff jeder, was Schrott eingangs gesagt hatte: Dichtung war vor der Schrift da – weil musikalische Komposition die einzige Möglichkeit bot, sich längere Texte zu merken!

Quelle: op-online.de

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