Madame und er

Offenbach - Sophie von La Roche, Verfasserin des ersten deutschen Frauenromans, ist selbst zur Romanfigur geworden. Bei Manfred Köppes Lesetour kommt Offenbach, wo die Schriftstellerin bis zu ihrem Tod 1807 gelebt hat, besondere Bedeutung zu. Von Markus Terharn

Am Tag für die Literatur findet sein neues Werk „Gestundete Zeit“ freundliche Aufnahme beim Publikum in der Stadtbücherei.

Den roten Faden bildet jene letzte Reise, die La Roche 1799 aus der heimischen Grillenhütte über Wielands Oßmannstedt und Goethes Weimar in die Salinenstadt Schönebeck bei Magdeburg führt, zu ihrem Sohn Carl. Inhaltlich wie stilistisch anspruchsvoll blendet Köppe in die Vergangenheit zurück, von der Elbe an den Main. Lässt da den Dichterfürsten, gern „der Große“ genannt, auftreten. Und belässt es in der Schwebe, ob dessen Verehrung Mutter Sophie gilt, oft als Madame bezeichnet, oder Tochter Maximiliane, auch Maxe gerufen, deren schwärzeste Augen er Werthers Lotte vererbt. Nicht erst da erinnert diese Geschichte an ein anderes Buch aus demselben Dunstkreis, Thomas Manns „Lotte in Weimar“.

Gelegenheit, die Gedanken frei schweifen zu lassen, bieten Köppe die „Hirnfaselein“, traumartige Textgespinste, in denen La Roche etwa glaubt, Goethe zu treffen, bis der Mann sich als Kutscher erweist. Zum Höhepunkt gerät der „Abgesang“, das siebte Kapitel. Da plagt sich die Dichterin weiterhin am Schreibtisch, derweil immer weniger Händler die Früchte ihrer Arbeit ordern und die Kritiker sie zu vergessen beginnen: „Während andere zum Olymp aufgestiegen sind, bleibt sie am Fuße zurück und richtet sich dort ein.“ Schriftstellerschicksal – auf den Punkt gebracht...

Quelle: op-online.de

Kommentare