Der Tod und das Mädchen

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Wer (ver-)führt hier wen? Mit dem Tod (Uwe Kröger) tanzt die Kaiserin Elisabeth (Annemieke van Dam) auf höllisch glattem Parkett.

Mit dem Ende fängt es an. Da baumelt der Mörder Lucheni an der schwenkbaren Brücke, gerichtet von eigener Hand. Schon vorher hat der Tod bekommen, was er wollte – die schöne, unglückliche Kaiserin von Österreich. Von Markus Terharn

Früh hat er sie getroffen, hartnäckig um sie geworben, jetzt ist sie sein: „Elisabeth“, tragische Heldin des Musicals von Michael Kunze und Sylvester Levay, mit dem die Alte Oper Frankfurt die Zeit „zwischen den Jahren“ füllt.

Der opernerfahrene Regisseur Harry Kupfer schont Prospekte nicht und nicht Maschinen. Was die Haustechnik hergibt, nutzt er für seine knapp dreistündige Inszenierung, in der Auge und Ohr nie zur Ruhe kommen. Da dreht sich die Bühne, jagen sich die Licht- und Klangeffekte. Flirrende Videoprojektionen gaukeln bayerische Seelenlandschaft oder Wiener Herrschaftsarchitektur vor.

Geschichte einer lebenslangen Verführung

Aus der einen Sphäre in die andere sieht sich die Protagonistin jäh gerissen. Ihr Kampf um die Liebe ihres Mannes, des Kaisers Franz Joseph, ist einer gegen dessen mächtige Mutter Sophie, gegen intrigante Schranzen, gegen den Tod, der ihr erst die Tochter, dann Kronsohn Rudolf raubt. Was für ein Opernstoff! Für ein Musical fast zu schade...

Eigentlich ist dies die Geschichte einer lebenslangen Verführung durch den Tod. Was dessen Faszination ausmacht, ist in der Darstellung durch Gaststar Uwe Kröger (nicht in allen Aufführungen) allerdings unklar. Vom bleichen, androgynen Gesellen mit hochgegeltem Blondhaar geht wenig Verlockendes aus.

Italienischen Charme versprüht Bruno Grassini als Attentäter Lucheni – ein Strippenzieher, der die Menge und das Publikum gegen Elisabeth aufhetzt. Ein Chamäleon, fast in jeder Szene präsent oder doch im Hintergrund aktiv.

Stimmlich von Flüstern bis Schmettern

Lichtgestalt zwischen diesen finsteren Gegenspielern ist Annemieke van Dam in der Titelrolle, glaubhaft vom herzigen jungen Mädchen bis zur müden alternden Regentin, ihren herrlichen Kostümen auch optisch gewachsen. Stimmlich reicht ihre Bandbreite vom Flüstern bis zum Schmettern im Hit „Ich gehör nur mir“, der zweimal mit abgewandelter Bedeutung wiederkehrt. Klar, wem sie gehört; ihr Tanz mit dem Tod ist ein Höhepunkt.

Weitere Vorstellungen bis 14. Januar - Kartentelefon unter Tel.: 069/1340-400.

Plakativ wie Kunzes Texte und Levays Pop-Weisen, die Daniel Behrens mit zackigen Einsätzen dem engagierten Orchester abfordert, sind die Tableaus, mit denen Kupfer das Ensemble gern arbeiten lässt. Die besten sind von durchschlagender Wirkung – die militärisch-marionettenhafte Choreografie der Hofkamarilla, das jahrmarktartige Treiben im Café, der geballte Zorn der Massen.

Zur Überdeutlichkeit tragen Todesengel, Totenbarke und -schädel bei. Dass die Atmosphäre dennoch nicht morbide, der Grundton erstaunlich heiter ist, macht vermutlich den Welterfolg dieses Stücks aus. Das Premierenpublikum reagierte restlos begeistert.

Quelle: op-online.de

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