Shakespeare-Theater

Männerjagd und Zickenkrieg

Offenbach - Der Innenhof des Büsingpalais ist d i e geeignete Spielstätte für heiteres Sommertheater. Zumal die unbändige Spielfreude der Theater-Kompagnie Stuttgart begeisterte, die dort mit Shakespeares beliebtester Komödie „A Midsummer Night’s Dream“ gastierte. Von Eva Schumann

Die Inszenierung des Intendantenpaars Cornelia Elter-Schlösser und Christian Schlösser passte zur neobarocken, neu belebten Kulisse: Respekt vor der Tradition verbunden mit Mut zur Anpassung an die Moderne. Die Schlegelsche Übersetzung wurde gerafft und teilweise von Cornelia Elter in modernes Deutsch übertragen -– auch ordinären Slang nicht scheuend. Denn das Aufeinandertreffen höfischer und patrizischer Schicht mit Handwerkern, der Menschenwelt mit dem Märchenreich der Elfen machen den besonderen Reiz der Komödie aus.

Ein Bühnenbild mit Spiegeln und weißen Stoffbahnen, wenig umarrangiert, symbolisierte alle Schauplätze, ob Schloss oder Wald. Hippolyta und Theseus, statt eines Ehepaars Mutter und Sohn, besitzt zwar Autorität, doch im Gegensatz zu seiner Mutter (souverän, nachdenklich, bestimmt: Cornelia Elter) darf der modern gekleidete Theseus sich eher unaristokratischer Manieren befleißigen (aufsässig, schnoddrig: Sebastian Kutz).

Ins Volle griff die Regie beim Konflikt der adligen Paare Hermia-Lysander und Helena-Demetrius. Hermia, die statt mit ihrem geliebten Lysander mit Demetrius verkuppelt werden soll, tritt auf als feministische, durchaus wehrhafte Maid. Die zunächst von Demetrius verschmähte, liebestolle Helena, super-modisch gekleidet, verblüfft nicht nur durch die Kühnheit, mit Stöckelschuhen durch den Wald zu staksen, sondern auch durch die Hartnäckigkeit, mit der sie dem Mann zu Leibe rückt. Beide Damen, verkörpert von Katharina Wanivenahsu und Susi Heigl, leisten Erstaunliches bei Männerjagd und Zickenkrieg. Bei den Männern geht es nicht weniger zur Sache. Der arrogante Demetrius (Till Schneidenbach) wird zum bettelnden Liebhaber. Dennis Tschernik als Lysander muss sich zur komischen Figur machen.

Kein Auge blieb trocken

Cornelia Elter spielt die hoheitsvolle, mit ihrem Gemahl zerstrittene Elfenkönigin Titania, die Darstellerinnen der Hermia und der Helena huschen als Erbsenblüte und Spinnweg umher, behalten aber ein Quäntchen ihres menschlichen Charakters. Puck, der mit Zauberei überall Verwirrung stiftet, bildet als wilder Geselle einen beängstigenden Kontrast. Mit akrobatischer Geschicklichkeit turnt Jidu Pasqualini über die Bühne.

Die Krönung sind die Handwerkerszenen. Wenn Peter Squenz (Schneidenbach) seinen tumben Handwerksmeistern (Josef Hofmann, Frank Deez, Gerald Nesper, Markus Michalik) die komische Tragödie von Pyramus und Thisbe beibringt, die man zum Fest des Herrscherpaars aufführen will, dann bleibt kein Auge trocken. Vor allem Hofmann als Weber Zettel brilliert mit umwerfender komischer Begabung. Aber auch die piepsige Thisbe, der dickbäuchige brüllende Löwe und der Mond auf hoher Leiter heimsten jede Menge Lacher ein.

Zum Schluss hat alles wieder seine Ordnung: die Liebespaare verheiratet, Oberon und Titania versöhnt – und die Stuttgarter Kompagnie mit Beifall belohnt.

Quelle: op-online.de

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