„Peterchens Mondfahrt“ am Schauspiel

Märchen als Performance

Das Quartett von Showcase Beat Le Mot gastiert in Frankfurt.

Für ihre Inszenierung des „Räuber Hotzenplotz“ wurde die Performance-Gruppe Showcase Beat Le Mot viel gelobt und beim Theater-Festival Impulse sogar mit dem Preis des Goethe-Instituts ausgezeichnet.

Und zwar genau dafür, dass sie die Geschichte ganz anders erzählten. Und weil das Quartett eben Theater macht, wie es Theater macht – oder vielleicht müsste man sagen: nicht macht. Im Prinzip treiben sie allem und allen erstmal gründlich sämtliche Illusionen aus.

Dabei verzichten die vier Männer darauf, in etwas, was auch nur nach Theaterrolle aussehen könnte, zu schlüpfen und zeigen Theater als etwas Künstliches. Treue oder Untreue gegenüber Stückvorlagen sind für die Vier kein Bewertungsmaßstab. Meist dienen ein paar Alltagsgegenstände als Requisiten, und selbst die Kostüme markieren noch eine Distanz zum Theater. „Peterchens Mondfahrt“, eine Koproduktion des Berliner Theater an der Parkaue, in den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt zu sehen, ist auch nach diesem Muster gestrickt.

Zunächst treten sie als Maikäfer auf, tanzen etwas zu ausgedehnt zu dröhnenden Beats. Dann müssen „Rollen“ verteilt werden, die ja bei der Performancetruppe nicht gespielt werden dürfen. Ein Anlass, ein paar kleine Hiebe gegen das Theater auszuteilen. Nikola Duric sagt, das Klischee vom eitlen Schauspieler aufgreifend, dass er am liebsten alle Hauptrollen spielen würde, wird aber nur mit einer blauen Schleife als Peter „markiert“. Dariusz Kostyra darf die Anneliese sein und erhält – natürlich – eine rosa Schleife. Thorsten Eibeler bleibt Maikäfer.

Und dann geht es doch noch los mit der Reise zum Mond und dem Märchen um den Maikäfer Sumsemann, der mit Peter und Anneliese sein sechstes Beinchen zurückholt. Videoanimationen zeigen Galaxien oder erscheinen wie ein Flugsimulator. Der Donnermann tritt unter weiß-leuchtenden Plastikkanistern auf, der Sturmriese lässt übereinander gestapelte Staubsauger dröhnen und der Wassermann rollt in einer Badewanne, in der eine Toilette hängt, auf die Bühne.

Zwischen Video, Tanz, Gesang, Ironie und etwas Mitmachtheater ist leider nicht erkennbar, was Showcase Beat Le Mot überhaupt an „Peterchens Mondfahrt“ interessiert hat. Die Inszenierung hangelt sich durch einige Längen, und die Mittel, die beim „Hotzenplotz“ wunderbar funktionierten, wirken hier wie eine Masche. Schade. Nikolas Duric sagte zu Beginn, sie würden „die Geschichte des Bassewitz über uns ergehen lassen“. Eigentlich keine Haltung, aus der heraus man gut 100 Minuten bestreiten kann. A. KRAUSE

Quelle: op-online.de

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