Märchenklassiker im Fantasy-Gewand

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Szene aus Dieter Grings Hanauer Inszenierung des Grimmschen Märchens „Der Froschkönig“.

Hanau - Hanaus Festspielintendant Dieter Gring hat Mut bewiesen. Den Mut, bei der Dramatisierung der Grimm’schen Märchen einen Schritt weiter zu gehen. Von Christian Spindler

In seiner Geschichte vom „Froschkönig“ wird der „Wasserpatscher“ zu einem gepanzerten Getier, tritt ein mächtiger Zauberer auf, flirren Elfen umher, frönen Zofen der schwarzen Magie, liegt bisweilen ein Hauch von „Herr der Ringe“ oder „Time Bandits“ über den Szenerie.

„Der Froschkönig“ ist das nächste Mal am 25. Juni um 16 und 20.30 Uhr sowie am 26. Juni um 14 und 17.30 Uhr zu sehen. Die Festspiele dauern noch bis 17. Juli. Infos im Internet.

Gring, der für Buch und Regie des Schauspiels verantwortlich zeichnet, hat aus dem relativ kurzen Märchen eine vielschichtige Fantasy-Erzählung gemacht. Er geht auch deswegen einen Schritt weiter, weil er einen Schritt zurück geht: Er liefert die Vorgeschichte, warum der Prinz eigentlich verwandelt wurde. Da wird vom schändlichen Tun des Zauberers Magus Eloi (beeindruckend mit diabolisch-gefährlichem Ton: Oscar U. Ehrlich) berichtet, dessen finstere Macht immer mehr um sich greift und der die Tochter des Königs zur Frau verlangt. Mit ihm paktiert Lefey (Barbara Bach), Schwester des Königs, die auf den Thron will. Es ist der Zauberer, der den Prinzen Marad (Benedikt Selzner) mit dem Fluch belegt, weil der Abenteurer und Draufgänger König Ruad (Detlev Nyga) im Kampf zur Seite stehen will.

Erzählt wird die Geschichte um Intrigen, Magie, Zusammenhalt und natürlich um Liebe aus Sicht Heinrichs, des treuen Dieners des Prinzen. In der Version der Märchensammler, die den „Froschkönig“ im Gegensatz zu älteren Überlieferungen 1812 deutlich gekürzt haben, ist Heinrich nur eine Randfigur.

Eindringliche Szenen und effektvolle Musik

Grimm-Puristen mögen irritiert sein, ob der Vorgeschichte und des Stils, in dem Dieter Gring das Märchen aufrollt. Im zweiten Teil kommt die Handlung dann aber zu den vertrauten Teilen der Erzählung mit allen Kernelementen – von der Brunnen-Szene über die goldene Kugel bis zum Versprechen der Prinzessin an den Frosch. Manches wird von Gring neu- oder uminterpretiert. Aber es ist alles drin, was zum „Froschkönig“ gehört – und noch viel mehr. Da wandeln nicht nur Prinzessin und Prinz auf Liebespfaden, sondern auch Zofen und Diener, ja sogar Elfin Alafora (Nadine Buchet) und Elf Dian Fialar, in dessen Rolle Jochen Döring glänzt, der bei der Premiere verdientermaßen den meisten Applaus bekam.

Die Inszenierung wartet mit eindringlichen Szenen auf, die effektvoll mit Musik unterlegt sind. Und düstere Momente werden bisweilen mit Heiterem aufgebrochen. Am Ende ist es übrigens kein einzelner Held, der den Fürst der Finsternis besiegt. Das gelingt nur, weil sich viele zusammentun und zusammenstehen.

Zum vierten Mal steht „Der Froschkönig“ in der 26-jährigen Geschichte des Hanauer Brüder-Grimm-Festivals auf dem Spielplan. Die neue Inszenierung ist sicher die bisher gewagteste, vielschichtigste und spannendste; wohl keine für kleine Theateranfänger, aber sie zeigt eindrucksvoll, dass Märchen auch ältere Kinder und Erwachsene fesseln können. Der Mut des Intendanten wurde belohnt. Er hat den Zuschauern ein kurzweiliges und äußerst sehenswertes Schauspiel beschert.

Quelle: op-online.de

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