Mainz, wie es bibbert und mordet

Offenbach - Lothar Schöne warnt sein Auditorium: „Das ist ein Schlechtwetterroman. Kalt, neblig, windig, manchmal schneit es sogar. Ich hoffe, Sie haben sich warm angezogen. “ Bei sommerlichen Temperaturen gestaltet er den Abend aber angenehm. Von Markus Terharn

An alter Wirkungsstätte präsentiert der frühere Offenbacher Schriftsteller im Bücherturm sein neues Werk „Die unsichtbare Bruderschaft“.

Der 18. Februar 1779 ist ein ungemütlicher Tag in Mainz. Dort versammelt Schöne historisch verbürgtes Personal, das er aber hübsch ausfabuliert hat und im Anschluss artig vorstellt. Allen voran den Weltumsegler Georg Forster und dessen Freund, den Mediziner Samuel Thomas Soemmerring. Sodann Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal. Ferner den kauzigen Dichter Wilhelm Heinse. Und die Dame, die da in Wams und Hose auftritt, ist an ihrem Wohn- und Sterbeort Offenbach in bester Erinnerung. Es ist die Autorin Sophie von La Roche.

Meister der unheimlichen Atmosphäre

Ausgewählte Passagen zeigen Schöne zum einen auf der Höhe seiner Kunst der Charakterzeichnung. Zumal das „Originalgenie“ Heinse hat es ihm erkennbar angetan. Die Schilderung dieses wunderlichen Mannes macht schmunzeln, wenn er etwa dem jungen Kollegen Goethe prophezeit: „Man wird nie wieder von ihm hören!“

Zum anderen erweist sich Schöne als Meister darin, eine unheimliche Atmosphäre zu erschaffen. So lässt er einen Drucker auf garstige Weise ums Leben kommen oder schildert einen nächtlichen Überfall auf Forster, der in der Südsee turmhohe Wellen überlebt und Menschenfresser beim Mahl gesehen hat – und doch am Rhein das Fürchten lernt.

Stilistisch sind die Kostproben sauber gearbeitet

Als glänzender Vorleser betreibt Schöne gekonnt Werbung in eigener Sache. Und er legt genügend Schlingen aus, um das Publikum zu fesseln und zum Kauf seines Historienkrimis zu verleiten. Das Treffen der Freimaurer, der Raub eines geheimnisvollen Dokuments versprechen Verschwörungen. Die Beschreibung der rothaarigen Lisa verheißt einen Schuss jener Erotik, für die der Verfasser bekannt ist. Und in der hessischen Sprachfärbung ihres Vaters, des Bürgermeisters, blitzt Humor auf.

Stilistisch sind die Kostproben sauber gearbeitet. Bei der Handlung hat Schöne tüchtig hingelangt und Züge der Kolportage nicht gescheut. Und wie er seine Lesung beendet und die Spannung hochhält, weiß der gewiefte Vortragende ganz genau: „In diesem Moment sprang er in die undurchdringliche Tiefe...“

Quelle: op-online.de

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