Malen im kulturellen Epizentrum am Main

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Ein in feurigen Farben aufgehendes Flugzeug. Werk von Predrag Hegedüs.

Die „Kunstansichten“, überregional beachtetes Offenbacher Festival, finden zum elften Mal statt. Etwa 100 Künstler präsentieren sich am 19. und 20. September in etwa 50 Ausstellungsräumen, Galerien, Ateliers und Museen. Wir stellen Predrag Hegedüs vor. Von Bettina Owczarek

Der bosnische Maler Predrag Hegedüs nutzt alles zwischen Tempel und Mülldeponie, um die intensive Wirkung zu erzielen, die ihm bei seinen Bildern vorschwebt. Er ist ein Mann, der künstlerisch Gegensätze verbinden will. Es geht ihm um „Endlose Zärtlichkeit in endloser Grausamkeit“. Eine innere Mitte wiederzugeben ist sein Ziel. „Trotz der vielen Variationen, die die Kunstgeschichte hervorgebracht hat, fehlt es immer noch an einer Transformation des Niedrigsten und des Höchsten. Ich verstehe mich manchmal als Teleskop, das versucht, ein bisschen Heiligkeit in die materielle Welt zu transportieren“, fasst Hegedüs zusammen.

Das Logo der Kunstansichten.

Heraus kommen riesengroße Leinwände, die dicke Schichten von Farbe bedecken. Über die Oberfläche fließen Lavaströme in Neongelb, Phosphorgrün, Orange, Pink, Violett und Weiß – Funkenregen in lauten Farben, Sprengsel- und Fleckenteppiche. Ruhige Linien und geometrische Elemente werden durchkreuzt von organischen Farbflüssen. Auf den Ebenen der Leinwand schiebt Hegedüs die Farbe zusammen zu Gebirgen und Zacken, kratzt Schraffuren, Spitzen und Punkte, und in dichten, wilden Farbgeweben finden sich plötzlich Düsenjäger, Wikingerschiffe, Mandalas, Schmetterlinge oder Meerestiere.

Hegedüs hat in Sarajewo Kunst studiert, er erwarb ein Nachdiplom an der Kunsthochschule in Belgrad und arbeitete an der Philosophischen Fakultät der Universität Tuzla als Dozent. Der Krieg in Bosnien trieb ihn 1992 nach Deutschland. „Offenbach zieht viele Künstler an, weil die Atelierpreise bezahlbar sind und man sich trotzdem in einem kulturellem Epizentrum befindet“, beschreibt er die Wahl seines heutigen Aufenthaltsorts.

Quelle: op-online.de

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