Befreites Glück des Augenblicks

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Max Liebermann, „Badende Knaben“, 1907

Aschaffenburg - In der Malerei verbindet man Impressionismus mit flüchtigen Konturen, farbigen Schatten, momenthaften Motiven und lockerem Pinselduktus. Die neue Freiluftmalerei holte Lebensfreude ins Bild, zeigte gern das Glück des Augenblicks. Von Reinhold Gries

In solch lichtdurchflutete Bilderwelt führt nun Aschaffenburgs Kunsthalle Jesuitenkirche mit oft wenig bekannten Werken des Berliner Dreigestirns Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt.

Man sieht an deren Ölgemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken aus 25 deutschen Museen und privaten Sammlungen, dass im „Berliner Impressionismus“ das Süßliche von Renoir fehlt. Das ist gut am Werk Max Liebermanns (1847-1935) zu verfolgen: Von realistisch gemalter „Kleinkinderschule“ geht es zum vereinfachen Naturalismus der „Netzflickerinnen“ und zu holländischer Interieur-Kunst der „Frau am Fenster“. In locker gesetzten Strandbildern wagt Liebermann ab 1902 den Sprung in die malerische Freiheit. Viel Atmosphäre und Lebensfreude vermitteln auch Mal- und Zeichenstudien zu Pferdesport und Tennisspiel sowie herrliches Kolorit der Pastell- und Ölbilder zu Liebermanns Villa und Garten am Wannsee.

Lovis Corinth, „Neubau in Monte Carlo“, 1914

Den gebürtigen Landshuter Max Slevogt (1868-1932) hielt es auf Dauer nicht in Berlin und München, obwohl er dort geliebte Opern- und Theater-Motive fand. Seine farbkräftigen, fein nuancierenden Pfälzer Landschaften - Wolkenstudien und Sonnenuntergänge bei Godramstein, pastos geschichtete Steinbruchbilder, andauernder Kunstfrühling und -herbst der Garten-Kompositionen aus Leinsweiler gehören zum Besten. Auch die Aquarelle seiner Ägyptenreise und die vitale Eleganz seiner kulinarischen Stillleben sind sinnliche Höhepunkte deutscher Kunst im 20. Jahrhundert.

Die opulent gemalte „Königsberger Marzipantorte“ des Ostpreußen Lovis Corinth (1858-1925) hält da mit. Erstaunlich, gemalt ist sie nach seinem Schlaganfall als 53-Jähriger. Corinth nutzt dieses Handicap mit enormer Energie für neue Wege, die weit über den Impressionismus hinausweisen. Man sieht das an vibrierenden Blumen-Stillleben, herrlichen Tierstudien und fast abstrakt gesetzten Walchensee-Landschaften. Meisterhaft auch Corinths Porträts zu seiner Frau Charlotte mitsamt dem in einen Ohrensessel platzierten Rückenakt. Auch grüblerisch gezeichnete und gemalte Selbstbildnisse und an Rubens geschulte, Frauenakte waren durch NS-Ächtung fast vergessen und fanden erst über französische, englische und amerikanische Sammlungen zurück.

„Reiselust und Sinnenfreude: Corinth – Liebermann – Slevogt“ bis 9. April in Aschaffenburgs Kunsthalle Jesuitenkirche. Geöffnet: Dienstag 14-20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr

Quelle: op-online.de

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