Mann der vielen Talente

Eigentlich hätte Bodo Wartke in seinem zweiten Programm nach eigenem Bekunden „lieber wieder überwiegend Lieder über Liebe“ gesungen.

Doch weil der Titel zu sperrig und Wartke dann nicht Wartke gewesen wäre, präsentiert sich der Benjamin unter den kabarettistischen Liedermachern im Offenbacher Capitol mit „Achillesverse“ so, wie ihn sein Publikum liebt: frech, mit jeder Menge Sinn für abwegige Pointen und viel Rhythmus im Blut.

Kaum hat der Wahlberliner mit dem Aussehen eines Pennälers auf dem Klavierstuhl Platz genommen und die ersten Akkorde eines „alten“ Wartke-Lieds angeschlagen, ist er in seinem Element, plaudert in lockerem Zwiegespräch mit seinem Alter ego, schneidet Grimassen, wählt treffsicher die richtigen Tasten. Und schon mit dem zweiten Stück bringt er den Saal zum Swingen.

„Sie ist, wie alle Töchter, der Liebling ihres Vaters, und so operiert er sie gratis“, singt Wartke, dessen Faible für Reime und maliziöse Späße sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht, um dann unvermittelt mit dem alten Jerry-Lee-Lewis-Hit „Great Balls of Fire“ ein rasantes Klaviersolo hinzulegen. Er klingt dabei ein bisschen wie der junge Westernhagen und manchmal herrlich nuschelig wie Udo Lindenberg.

Um Liebe in all ihren Facetten geht es trotzdem irgendwie, Wartke interpretiert sie in „Ich bin ein Vampir“ oder „Ja Schatz“ nur ein wenig anders. „Und ich hau dir meine Zähne bis zum Anschlag in die Halsschlagvene“ – so klingt Begierde à la Wartke, und wie so oft in seinen Werken resultiert der Witz aus dem Abwegigen. Das ist zwar wenig geeignet für zart Besaitete, dafür aber garantiert originell.

Doch der Kabarettist, der sogar seine Garderobe nach dem Reimschema zusammenstellt – „dieses Hemd, das gelbe, es ist dasselbe“ – hat auch Liebeslieder in C-Dur, der „Tonart der Glückseligkeit“, im Programm. Und beweist in melancholischen Einlagen wie „Der Gedanke an dich“, dass er anders kann. Ob mit „Ich bin so grässlich vergesslich“, „Was hat er, was ich nicht habe“ oder „Ich trau mich nicht“ – Wartke bedient sich munter bei Schlager, Swing und Pop, erzählt mit Stepptanz-Einlage und schauspielerischem Geschick aus dem Berliner Leben und scheut sich nicht, die Damentoilette zu besingen. Dieser Mann hat wahrlich jede Menge Talente! MAREN CORNILS

Quelle: op-online.de

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