Mario Barth blödelt in der Festhalle

Hirn ausschalten und ablachen

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Frankfurt - Kaputte Spülmaschinen, demolierte Autos und Furz-Arien im Flugzeug: Mario Barth, das One-Man-Dschungelcamp der Comedy-Szene, blödelt sich an gleich zwei ausverkauften Abenden in der Festhalle durch Geschlechterklischees, Beziehungs-Scharmützel und Herrenwitze. Von Peter H. Müller

Sein zweistündiges Bühnen-Solo „Männer sind schuld, sagen die Frauen!“ ist zwar ähnlich abgehangen wie manch brachiale Pointe schlicht, der kollektiven Begeisterung seiner Fans tut das aber keinen Abbruch. Die Feuilleton-Diskussion um Niveau, Anspruch oder „Qualität“ sollte man einfach mal beiseite lassen. Jedes Land, jedes Publikum hat die Komiker, die es verdient. Und so ganz daneben kann das, was der Nonsens-Hansdampf fabriziert, ja nicht sein. Sein neuer TV-Job als „Investigativ-Comedian“ etwa verzeichnet erschreckend hohe Quoten, und im Juni steht sein nächster Weltrekord an: 100.000 Zuschauer sollen da binnen 24 Stunden das Berliner Olympiastadion stürmen, um Barth live zu erleben - die Tickets für den ersten Tag sind bereits restlos vergriffen.

Während die internationale Mario-Barth-Forschung dann wohl immer noch rätseln wird, was die Berliner Kodderschnauze so unwiderstehlich macht, liefert seine Festhallen-Berieselung schon durchaus Antwort-Hinweise: Der Mann, der wie ein Berserker über die Rampe tobt, hat sich längst zum Event vermarktet. Selbst wenn Barth mit seinem vierten Bühnenprogramm bereits seit 2012 durch die Lande tourt - die etwas andere Paarberater-Show boomt dauerhaft, weil sie weder intellektuell fordert noch anstrengt, aber offensichtlich bestens unterhält. Zumindest ihre ureigene Zielgruppe.

Nachdem gefühlte zwei Dutzend Merchandising-Artikel - vom „Waffeleisen Brüllkäfer“ über die „Jaanz wichtig“-Fußmatte bis zum Baby-Lätzchen - via Video-Schleife angepriesen sind, lässt sich Popstar Barth denn auch gleich mal mit gebührender Verspätung, unter fauchender Pyro-Technik und ohrenbetäubendem Heavy Metal, per „Comedy-Tram“ herankarren. Die Bühne, ein Bahnsteig mit dem putzigen Namen „U-Bhf Kennste-Kennste-Allee“, feiert eine klassische Marotte, die, „Alter, keen Witz - keeeen Witz“, der Meister höchstselbst kultiviert hat. Der Zweifach-/Dreifach-Barth funktioniert immer, mit verlässlicher Schenkelklopf-Garantie, egal ob er für seine Gags das Spülmaschinen-Fiasko seiner Dauer-Liebsten, den luxuriösen Speiseplan des Haushündchens „Feedback“ oder die „Feng Shui“-Beratung eines sächsischen Hobby-Chinesen auspresst wie eine Zitrone. Barth, „Alter, dat glaubse gar nich“, kann das - und zelebriert diese gespielten Witze mit Verve, bis der Schweiß in Strömen fließt.

Mario Barth: Bilder von der Stadion Tour 2011

Mario Barth: Bilder von der Stadion Tour 2011

Wenn sich nicht gerade wie in der zweiten Halbzeit ein paar Furzwitze (die ihre Lacher bekanntermaßen immer generieren) in die mit Tempo und abstrusen Einschüben gespickte Nummern-Revue verirren, dreht sich eigentlich alles um ein seit Jahren von ihm strapaziertes Thema: Mann und Frau, will sagen: er und seine „The Brain“ getaufte Freundin („die is´ ja nich doof. Hat studiert. Fertig, Feertig! Diplom, nix Bachelor mit Rosen und so …“) - ein einziges, beziehungslanges Missverständnis, das er als Couch-Macho natürlich ganz anders interpretiert als sein Klischee-Frauchen. Kennt jeder, hat jeder schon mal so oder ähnlich erlebt. Also, Hirn ausschalten, wohlwissend nicken - und einfach mal ablachen. Kann man so machen. Man kann aber nach zwei Stunden Simpelst-Humor durchaus auch mal an Barths letzte Stimmband-OP denken - da hatte er 14 Tage Sprechverbot. Keine so ganz üble Vorstellung.

Quelle: op-online.de

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