Bis ins Mark erschüttert

Die Trommeln leben. Ihre enorme Präsenz ist körperlich fühlbar. In Japan sagt man, die Taiko-Trommel beherrsche alle anderen Instrumente, weil sie nur aus solchen Gegenständen besteht, die mal lebendig waren: Tierhäute und Holz. Von Veronika Szeherova

Der vibrierende, hypnotisierende Klang geht durch Mark und Bein. Dass die Trommeln im alten Nippon dazu dienten, über weite Entfernungen zu kommunizieren, wundert nicht.

Zwischen 2000 und 250.000 Euro kostet so ein gutes Stück, je nach Größe und Form. Die „Miya-Daiko“ mit einem Durchmesser von 1,70 Meter und einem Gewicht von 400 Kilogramm klingt ohrenbetäubend, wenn man mit dem keulenartigen, fellbezogenen Stock dagegen schlägt. Die „Yamato“-Truppe ist ihr beim täglichen Training und bei den rund 200 Auftritten im Jahr unmittelbar ausgesetzt. Ist das nicht schädlich fürs Gehör? „Nein“, sagt Gen Hidaka freundlich lächelnd, wie Asiaten es zu tun pflegen. „Nicht das Ohr hört den Klang der Trommeln, sondern der Körper fühlt ihn.“ Hidaka hat vor wenigen Jahren mit dem Trommeln angefangen, gehört aber fest zum „Yamato“-Ensemble.

„Die Deutschen machen es uns immer leicht“

Auch für erfahrene Fans bietet die neue Show überraschende Momente. „Matsuri“ ist weniger martialisch und ernsthaft als die Vorgänger, obwohl auch hierbei äußerste Präzision und Synchronität in der Choreografie höchstes Gebot ist. Doch mit humoristischen Anklängen wie dem angedeuteten spielerischen Zuwerfen von Ton-„Bällen“ und vielen Interaktionen mit dem Publikum haben die Japaner die Lacher und Sympathien auf ihrer Seite. Bei der Deutschlandpremiere in der Komischen Oper Berlin konnten die Zuschauer von den weltberühmten Perkussionisten gar nicht genug bekommen.

Vom 17. bis 22. August in der Alten Oper Frankfurt. Karten gibt es unter Tel.: 069/1340400.

„Die Deutschen machen es uns immer leicht“, freut sich Akiko Ogawa nach dem erfolgreichen Auftritt. „Am schwersten haben wir es ausgerechnet in unserem Heimatland, denn Japaner sind als Zuschauer eher zurückhaltend und streng“, fügt die 37-Jährige hinzu, die schon in 48 Ländern aufgetreten ist und sich ein anderes Leben als das mit ihrer „Yamato-Familie“ gar nicht mehr vorstellen kann: „Wir verbringen unsere gesamte Zeit miteinander, vom gleichzeitigen Aufstehen bis zum Zu-Bett-Gehen. Obwohl wir zehn verschiedene Personen sind, können wir die Befindlichkeiten des anderen genau erkennen und entsprechend handeln.“

Die Taiko-Trommeln haben in Japan religiöse Bedeutung. Trommeln ist eine Art Zwiegespräch mit den Göttern. „Matsuri“ nennt man traditionelle religiöse Feste, bei denen die alten Schlaginstrumente ein wesentliches Element sind, um das ersehnte Ziel zu erreichen: „Oto-Dama“, die Seele des Klangs – die Einheit zwischen Trommel und Trommler oder gar zwischen Gottheit und Mensch.

Doch nicht nur diese alten Riten spielen eine Rolle bei der Konzeption der „Yamato“-Shows. Moderne Elemente sind auch dabei. „Wir lassen uns gern auch anderswo inspirieren, zum Beispiel bei Stomp oder Cirque du Soleil“, erzählt Ogawa. Das Ergebnis ist ein mitreißender Abend voller Energie, Kraft und Lebensfreude.

Quelle: op-online.de

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