Martina Droste bringt Jugendliche und Theater zusammen

Wechsel hat Bestand

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Martina Droste leitet das Junge Schauspiel im Theater am Willy-Brandt-Platz.

Frankfurt - Theater von Jugendlichen für ein breites Publikum – das ist das Ziel des Jungen Schauspiels in Frankfurt. Seit vier Jahren entwickelt die Theaterpädagogin Martina Droste immer wieder das Programm weiter und stellt sich jeder Spielzeit neuen Herausforderungen. Von Sabrina Kristen

Mit aktuell 261 Mitgliedern ist der Jugendclub des Frankfurter Schauspielhauses stetig am Wachsen. „Wichtig ist, dass es bei uns keine Karteileichen gibt, da die Jugendlichen sich jedes Jahr neu anmelden“, betont Martina Droste, Leiterin des Jungen Schauspiels. Seit der Spielzeit 2010/2011 ist die Theaterpädagogin, Regisseurin und Feldenkrais-Lehrerin am Willy-Brandt-Platz tätig und war maßgeblich für die Entwicklung des Programmes für junge Menschen verantwortlich. Drei umfangreiche Projekte, abendliche Schauspieltrainings und zahlreiche Workshops bietet der Theaterclub für Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren in jeder Saison an. Hinzu kommen etwa 130 Projekttage mit Schulgruppen. „Besonders stolz bin ich, dass das Schauspiel in der vergangenen Spielzeit um die 50 000 Karten an Schüler und Studenten verkauft hat Das zeigt doch, wie groß das Interesse der jungen Menschen am Theater ist“, freut sich Droste.

Ein besonderer Erfolg der Saison 2013/2014 war das Stück „All inclusive“, bei dem die Theaterpädagogin Regie führte. Acht Jugendliche mit Behinderung und fünf ohne stellten dabei eine gelungene Aufführung auf die Beine. Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein inklusives Stück geben. Im Juni 2015 wird „Freiraum“ Premiere feiern. „Hierbei wird es vor allem um die Frage nach Authentizität und dem Verhältnis zwischen Individualität und der Gemeinschaft gehen“, erzählt Droste. Gerade mit einer inklusiven Gruppe sei die Arbeit eine ganzheitliche Erfahrung. „Besonders wichtig ist eine sehr körperorientierte und musikalische Auseinandersetzung mit der Thematik“, betont die Leiterin des Jungen Schauspiels. Ansonsten würde das Projekt auch nicht mehr Vorlaufzeit als andere Stücke benötigen. Etwa zehn Wochen vor der Premiere beginnen in der Regel die Proben für das jeweilige Stück.

Immer neue Richtungen im Jugendclub einschlagen

In dieser Zeit werden die Jugendlichen sehr gefordert: Bis zu fünfmal in der Woche wird geprobt, Text geübt und Kostüme angepasst. „Für einen begrenzten Zeitraum setzen die jungen Menschen ihre Freizeit aus – aber das mit großer Begeisterung“, so Droste. Lediglich ein Viertel der Mitglieder des Jugendclubs wird letztlich auf der Bühne stehen. „Theater, das sind nicht nur die Schauspieler. Viele Jugendliche interessieren sich für das Regieführen, Dramaturgie oder Bühnenbild und wollen gar nicht selbst auf der Bühne stehen“, sagt Droste. In den Kammerspielen wird erneut ein größeres Projekt aufgeführt. In „Anne“ geht es um die weltberühmten Original-Tagebuchtexte von Anne Frank. Das in Frankfurt geborene und 1944 in Auschwitz ermordete jüdische Mädchens fragt darin nach Widersprüchen und Glücksmomenten in der Familie und im Erwachsenwerden, nach Freiheit und Würde – Themen, die laut Droste, auch für junge Menschen in der Gegenwart zentral sind. Die Premiere ist für den 10. Januar 2015 geplant.

Droste will aber keineswegs, dass die Beteiligten nur gute Arbeit auf der Bühne abliefern, vielmehr sollen die Jugendlichen sich intensiv mit Inhalten auseinandersetzen. „Wir werden in der Gruppe darüber reden, was Nationalsozialismus und Faschismus für uns heute bedeutet. Es geht also um die gesellschaftlichen Aspekte.“ Im Projekt wird sich die Gruppe ganz konkret die Situation der rassistischen Verfolgung und die Suche nach Zugehörigkeit in einer ausgrenzenden Gesellschaft vor Augen führen. Zehn Jugendliche werden in „Anne“ die aktuelle Relevanz der Texte und Lebenshaltungen der außergewöhnlichen jungen Autorin zu einem Theaterabend verdichten. Als erstes Projekt der Spielzeit hat „Sucht“ am 28. September in der Box Premiere.

Acht junge Frauen beschäftigen sich mit der Frage, was passiert, wenn aus Liebe Abhängigkeit wird. Aus eigenen und fremden Erfahrungen entwickeln sie einen nachdenklichen Theaterabend. Für Droste ist es entscheidend, immer wieder neue Richtungen im Jugendclub einzuschlagen. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Jugendliche etwas Neues für sich und ihre persönliche Entwicklung entdecken. Wir sind keine Nachwuchsschmiede, das ist nicht das Ziel“, erklärt die Theaterpädagogin. Infos zu Projekten des Jungen Schauspiels gibt es am 22. September, 18 Uhr, im Chagallsaal des Schauspiel Frankfurt. Anmeldung unter theaterpaedagogik@schauspielfrankfurt.de

Quelle: op-online.de

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