Ein herzlicher Softie

Frankfurt - „Ich gelte als sehr harter Kerl. Ich bin ja auch für meinen extremen Bartwuchs bekannt und meine karierten Sachen“, sagt Matthias Schweighöfer, einen Karo-Schal umgebunden, und lacht laut los. Von Kathrin Rosendorff

Der 29-jährige Schauspieler, auf dessen Oberlippe vielleicht aus Versehen mal ein Haar wächst, nimmt sich selbst nicht so ernst. Zumindest, wenn er auf seine Auszeichnung als „Mann des Jahres“ bei der Männerzeitschrift „GQ“ angesprochen wird. „Ich finde, Madonna hat den Titel eher verdient“, grinst er.

Schweighöfer sitzt auf einer Bierbank im Zelt, das gegenüber der „MS Wodan“ am Eisernen Steg aufgebaut ist. Viele Journalisten sind gekommen, aber nur die Frauen stellen Fragen, meist zum Männlich-Sein. Das ist Thema seines Films „What a man“, den er gerade in Frankfurt dreht. Der Berliner findet die Stadt „cool, gemütlich“. Bis zum 10. November bleibt er. Auch am Offenbacher Nordring wurde gedreht. Die Komödie kommt im Herbst 2011 in die Kinos.

Peschel gibt den irren Männer-Coach

Zum ersten Mal übernimmt Schweighöfer auch die Rolle des Regisseurs. Nebenbei ist er Hauptdarsteller, Co-Drehbuchautor und Produzent. Der Titel zitiert den 90er-Jahre-Hit „Whatta Man“ der Hip-Hop-Girlbands Salt‘n‘Pepa und En Vogue. Schweighöfers „Wunschfigur“, Softie Alex, besingt keine. „Ein Mann, der von der herzlichen Seite kommt, ein bisschen tollpatschig ist und ungern etwas im Leben entscheiden will“, erzählt er. Gerade das aber gehöre zum Männlich-Sein. „Als mein Kind auf die Welt kam, hat sich was in meinem Kopf verändert, gerade was Verantwortung angeht.“

Alex muss das erst bitter lernen: Seine Freundin (Mavie Hörbiger) verlässt ihn für den harten Kerl Jens. Für diese Rolle konnte er Thomas Kretschmann engagieren, der schon mit Angelina Jolie drehte. Überhaupt hat Matthias Schweighöfer eine vorzeigbare Crew deutscher Schauspieler anzubieten: Den Möchtegern-Macho spielt Elyas M‘Barek, Cem aus der Kult-Serie „Türkisch für Anfänger“.

„Scheiße, Scheiße, Scheiße“

Milan Peschel, mit dem Schweighöfer erst kürzlich für eine „Tatort“-Folge den Hessischen Filmpreis bekam und der Patenonkel seiner Tochter Greta ist, gibt den irren Männer-Coach. Und da ist noch Sibel Kekilli („Gegen die Wand“). „Sie hat beim deutschen Filmpreis gesagt, dass sie auch mal eine Komödie spielen wollte, da musste sie mir zusagen“, so Schweighöfer. Kekilli, die beim Interview immer nach unten schaut, schwärmt für Schweighöfer als Regisseur: „Weil er auch Schauspieler ist, weiß er, wie er mit uns eitlen Schauspielern umzugehen hat“, lacht sie.

Dann isst Matthias Schweighöfer schnell was auf dem Boot und joggt zum Nachtdreh auf den Eisernen Steg. Der ist nicht gesperrt. Die Frankfurter hetzen an Schweighöfer vorbei, ohne ihn zu erkennen. Einmal flucht der Neu-Regisseur „Scheiße, Scheiße, Scheiße“, als die Kamera gegen den Rollwagen knallt. Dann folgt sein süßes „Junge-von-der-Disko-nebenan“-Lachen.

Quelle: op-online.de

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