Offenbach

Medienschelte tief unter der Schamgrenze

Zimperlich war Oliver Kalkofe noch nie, weder als Kolumnist der Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ noch mit seiner Fernsehsatire „Mattscheibe“.

Offenbach - Man war beim Besuch des Offenbacher Capitols, wo Kalkofe jetzt an zwei Abenden gastierte, also gewarnt – und dennoch überrascht, dass die Schamgrenze in einer Manier tiefer gelegt wurde, die den derben Zoten eines Ingo Appelt bedenklich nahe kommt.

Immerhin: Kalkofe, der mit einem zweirädrigen Segway auf die Bühne rollte, verharrt nicht auf diesem Niveau, sondern arbeitet sich mit bissigen wie treffenden Kommentaren zur Medienlandschaft stetig nach oben. Er hat fraglos etwas zu sagen: böse, satirisch, zum Schluss sogar in Anklängen ironisch. Deutlich wird an diesem Abend aber auch, dass die Rolle des Kabarettisten dem Niedersachsen weniger liegt als Kommentar und Persiflage.

Auf der Höhe zeigt sich Kalkofe besonders, wenn es darum geht, organisierte private Volksverdummung à la „Gülcans Hochzeit“ auf die Schippe zu nehmen, die Unbedarftheit von Astro-Shows, senilen Fernsehpredigern und skurrilen Trabbi-Fahrberichten im DDR-Fernsehen bloßzustellen. Ätzend-unterhaltsame Schenkelklopfer produzieren kommentierte Szenen aus unterirdischen Machwerken wie „Gräfin gesucht“ und „Uri Geller live“. Damit das ohnehin skeptische Publikum gewahr werde: Die Medienkritik ist, zumindest in der Humor-Disziplin, in guten Händen.

(CARSTEN MÜLLER)

Quelle: op-online.de

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